Ferrari: kann montreal die trendwende bringen?
Die Roten aus Maranello stehen am Scheideweg. Nach enttäuschenden Leistungen in den bisherigen Saisonrennen könnte der Große Preis von Kanada die entscheidende Standortbestimmung für Ferrari und die Wirksamkeit ihrer neuesten Aerodynamik-Upgrades liefern. Paolo Filisetti von Gazzetta Motori analysiert die Lage und deutet auf entscheidende Faktoren hin, die über den Erfolg oder Misserfolg entscheiden könnten.

Aerodynamik-paket und energieeffizienz: der schlüssel zum erfolg?
In Miami wurden bereits elf verschiedene aerodynamische Elemente eingeführt, darunter die umstrittene „Macarena“-Heckflügel. Während dort bereits Fortschritte im Hinblick auf das aerodynamische Gleichgewicht des SF-26 erkennbar waren, lieferten die Ergebnisse keine eindeutigen Schlussfolgerungen über die Gesamtleistung des Pakets. Ein wesentlicher limitierender Faktor stellt weiterhin das Verhältnis zur Konkurrenz, insbesondere zum Mercedes-Motor, dar. Der Leistungsunterschied im Bereich des Verbrennungsmotors ist unübersehbar.
In Montreal setzt Ferrari nun auf weitere, wenn auch kleinere, aerodynamische Verbesserungen. Diese sollten jedoch eher als Ergänzung zum bereits in Miami debütierten Paket betrachtet werden und nicht grundlegend neue Effizienzstandards setzen. Der kanadische Kurs wird daher als ein deutlich aussagekräftigerer Test als Miami angesehen, um zu beurteilen, ob die Strategie, die auf maximaler aerodynamischer Effizienz und miniaturisierten Radiatoren basiert, der richtige Weg ist – selbst wenn dies mit einem geringen Leistungsverlust einhergeht.
Die Experten im Paddock sind sich einig: Das Chassis des SF-26 gilt als exzellent, insbesondere im Bereich der Aufhängung und Aerodynamik. Es wird jedoch von einem Motor ausgebremst, der nicht mit den besten der Liga mithalten kann. Die einzigartige Streckenführung in Montreal, mit ihren abrupten Richtungswechseln und dem langen, schnellen Sektor, bietet eine ideale Plattform, um die Stärken und Schwächen des Fahrzeugs zu testen. Insbesondere die Effizienz der Aerodynamik in Verbindung mit einer flexiblen Energieverwaltung könnte entscheidend sein.
Es wird erwartet, dass Ferrari in Montreal verfeinerte Nutzungsmethoden einsetzen wird, basierend auf den regulatorischen Änderungen in Miami. Simulationen sollen hierbei sehr positive Rückmeldungen geliefert haben, wobei der hohe Kraftstoffverbrauch der Strecke berücksichtigt wurde. Möglicherweise wird die aggressive Strategie zur Energieverwaltung, wie sie auf anderen Strecken zu beobachten war – beispielsweise das Hochhalten der Drehzahl der MGU-K auch bei Tritt vom Gas – in Montreal etwas moderater eingesetzt werden, um das Potenzial des Motors besser auszuschöpfen. Hierbei könnte die Mercedes-Power Unit, die bereits einen deutlichen Vorteil aufweist, ebenfalls profitieren.
Sollte sich der Abstand zur Konkurrenz verringern, bevor sogar die Einführung der ADU (Advanced Driver Aids) erfolgt, würde dies eine hervorragende Grundlage für die Bewertung der Aerodynamik und Fahrzeugdynamik bieten. Die „Macarena“ am langen Ausgang des Kurses könnte dabei ihr volles Potenzial entfalten, unterstützt durch die intelligente Nutzung der Abgase über den FTM (Flap Turbine Motor). Montreal könnte somit die entscheidende Bühne für eine endgültige Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit des Ferrari-Projekts darstellen.
