Felix schrader schlägt vier mal zu: deutschland beendet 20 jahre sieglos-fluch
Mailand – 20 Jahre hat es gedauert. 20 Jahre, in denen deutsche Para-Eishockey-Cracks nur die Pleiten von Turin 2006 nachlasen. Jetzt hat Felix Schrader mit einem Viererpack die Schmach beendet – und dem Debakel der Vorrunde eine Overtime-Erzählung entgegengesetzt.
Deutschland schlägt die Slowakei 4:3 nach Penaltyschießen. Das Tor zum 3:3 fällt 57 Sekunden vor Ende, das Siegtor in der Verlängerung. Drei Niederlagen zuvor: 0:12, 0:13, 1:2. Kein deutscher Treffer, kein Punkt. Dann dieser K.o. gegen die Slowaken, der die Truppe von Bundestrainer Peter Willmann am Samstag (16.05 Uhr) ins Spiel um Platz fünf schickt – gegen Italien oder Japan.

Schrader: „wir wollten es offenbar nochmal spannend“
„Geiles Spiel“, sagt Schrader, während ihm Schweißperlen aus dem Helm laufen. „Ich dachte nach der 2:0-Führung, wir machen uns das leicht. Aber wir wollten es offenbar nochmal spannend.“ Der 31-Jährige wischt sich mit dem Handschuh übers Gesicht, lacht, weil er kann. Weil er muss. Weil er vier Tage zuvor noch mit 0:13 gegen die USA ausraste und jetzt selbst die Slowakei ausrollt.
Die deutsche Defensive hatte in der Vorrunde 27 Gegentreffer kassiert, mehr als jede andere Mannschaft. Gegen die Slowakei steht Christian Jaster im Tor, hält 13 Schüsse in der Verlängerung. Die Analyse des Videos vor dem Spiel: Schrader erkannte, dass der slowakische Goalie zu frich herauskommt. Er schoss fünfmal, viermal klingelte es. Statistiker fanden zuletzt 2004 ein deutsches Viererpack bei Paralympics-Games – damals in Prag, heute in Mailand.
Die Kabine tobt. Frank Rennhack und Simon Kunst umarmen sich, als wäre das Finale gewonnen. Es ist nur Platz fünf, aber es ist ein Sieg, der die Latte für 2026 setzt. Die Quali für Cortina ist längst gelaufen, das Ticket sicher. Was bleibt, ist das Gefühl: Wir können auch mal vorne liegen.
Der Bus zurück ins Olympische Dorf braucht 38 Minuten. Die Spieler singen „70er, 80er, 90er“ mit verstellten Stimmen. Draußen flimmern die Lichter von Mailand. Drinnen flimmert die Erkenntnis: Das 20-Jahre-Fluch-Ende war keine Glanznummer – es war ein K.o.-Schlag gegen die eigene Geschichte.