Sverre olsbu röiseland: krebsgegenat, babyglück – und jetzt der nächste schritt

Sverre Olsbu Röiseland hat in diesem Frühjahr mehr Leben gepackt als andere in einem Jahr. Erst die Krebsdiagnose, dann das norwegische Trainerangebot, und jetzt: Baby Nummer zwei. Die Nachricht schlägt ein wie ein Sieg im Sprint – überraschend, laut, unbestreitbar.

Marte röiseland erzählt von der achterbahn zwischen ultraschall und untersuchungszimmer

„Wir haben gelernt, dass das Leben nicht linear ist“, sagt Marte dem Sender NRK. Während Sverre in München auf die Biopsie wartete, lag sie im Ultraschallraum, das zweite Kind auf dem Monitor. „So glücklich und gleichzeitig so traurig zu sein – das ist ein Gefühl, das keine Trainingseinheit vorbereitet.“ Die Prognose steht inzwischen: Tumor entfernt, Vater bleibt. Die Freude über den Nachwuchs ist jetzt pur.

Der Zeitplan ist sportlich straff. Tochter Ingrid kam im November 2023, das zweite Kind soll im Herbst 2026 folgen. Genau dann läuft der Vertrag des 35-Jährigen als Co-Trainer beim Deutschen Skiverband aus. Wer glaubt, dass Familie und Spitzensport sich ausschließen, kennt Sverre nicht. Der Mann, der hinter den Kulissen Deutschlands Schützinnen zur Weltspitze schoss, will weitermachen – aber nur, wenn es der „richtige Job“ ist. Und der steht nicht unbedingt in Oberhof.

Norwegen lockt – und mit ihm die frage nach der work-life-balance

Norwegen lockt – und mit ihm die frage nach der work-life-balance

Die norwegische Skiföderation hat ihm ein Konzept auf den Tisch gelegt: weniger Reisen, mehr Familienzeit, dafür Heimspiel in Lillehammer. Klingt nach Idylle, ist aber ein Kraftakt. „Wir haben zu Hause gerechnet: 180 Tage im Jahr unterwegs, 120 Wettkampfteilnehmer, ein Baby im Tragetuch und eines im Bauch“, sagt Sverre. Die Entscheidung fällt innerhalb der nächsten vier Wochen. Wer jetzt auf „Karriereende“ tippt, unterschätzt den Ex-Weltmeister. Wer auf „Wechsel nach Oslo“ tippt, unterschätzt Marte. Sie ist diejenige, die nach Kaiserschnitt zwei Wochen später schon wieder auf der Loipe stand.

Die Szene ist verrückt genug, dass sie funktionieren könnte. Die norwegische Presse feiert Sverre schon als „Heimkehrhelden“, die deutschen Kollegen halten die Stellenausschreibung warm. Dazwischen: ein Paar, das ausgerechnet in der Saison, in der alles drunter und drüber geht, beschließt, noch ein Kind in die Welt zu setzen. Weil es geht. Weil es muss. Weil Sportler nun mal nicht abschalten können, wenn das Spiel noch läuft.

Am Ende bleibt eine simple Gleichung: zwei Eltern, zwei Kinder, ein Job mit 200 Reisetagen. Wer die Lösung kennt, darf sie gerne an den DSV schicken. Sverre und Marte werden sie ohnehin selbst finden – zwischen Windelwechsel und Windanpassung. Die nächste Saison beginnt im November. Ob mit deutschem oder norwegischen Pass: Das Baby wird die Tribüne rocken. Und Sverre? Der wird schießen. Im Leben wie auf der Schießanlage.