Fabregas rüttelt an italiens traineretikette – gasperini ist erst der anfang
Seit Cesc Fabregas die Como-Bank übernahm, brodelt die Serie A. Nach jedem Pfiff sucht der Spanier das Gerangel – und findet es. Gestern Gasperini, morgen schon wieder jemand anders. Die Liga hat einen neuen Unruhestifter, und keiner weiß, wohin die Reise geht.
Die Chronik liest sich wie ein Krawall-Tagebuch. Como–Monza 1:1, September 2023: Fabregas stürmt zu Nesta, wirft ihm Manndeckung vor. Nesta kontert mit einem Seitenhieb auf das italienische Catenaccio. Die Kameras fressen es, die Tribüne tobt. Erste Runde an den Neuen.
Gasperini ignoriert den handschlag – fabregas nennt es „unsportlich“
Como–Roma 0:0, letzter Samstag. Gasperini wettert über Como-Spielereien, rennt ohne Gruß in den Katakombentunnel. Fabregas lässt sich in der Mixed Zone nicht zwei Mal bitten: „Es fehlt an Respekt.“ Die Ligareferenzen prüfen ein Sperrenpaket, die Fans diskutieren über Fairplay im 21. Jahrhundert.
Die Liste der Geschädigten wird länger. Tudor (Ex-Juve) beschimpfte den Katalanen als „scheinbar kleines Klubchen mit großer Brieftasche“. Fabregas konterte mit einem „Mister Tudor“-Gruß, der eisklang. Conte (Napoli) beschuldigte Como-Spieler des Simulierens, Allegri (Milan) schrie ihm ins Gesicht: „Du fängst gerade erst an zu trainieren!“ Die Sperre folgte auf dem Fuße.

Comos aufstieg basiert auf provokation – und funktioniert
Was wie Ego wirkt, ist Kalkül. Fabregas lenkt den Druck weg von seiner jungen Truppe, schafft eine Außenseiter-Identität. Como hat 42 Punkte, nur drei weniger als Atalanta nach 28 Spieltagen. Die Mannschaft spielt mutiges Positions-Spiel, kommt aus dem Pressing heraus zur zweiten Ball-Phase – ein Stil, den die Liga seit Jahren vermisst.
Intern schöpft der Coach aus zwei Jahrzehnten Elitetraining. Er ließ Datenanalysten aus London einfliegen, installierte ein 3-2-5 in Ballbesitz und verlangt 75 %-Laufleistung in der ersten halben Stunde. Die Zahlen sprechen: Como erzielt 58 % seiner Tore nach Balleroberung im gegnerischen Drittel – Spitzenwert der Serie A.
Kritiker mahnen, dass Dauereifer irgendwann auf die Zehen tritt. Fabregas selbst gibt es zu: „Ich muss lernen, Emotionen runterzudrehen.“ Er zitiert Luis Enrique: „Was nach dem Schlusspfiff gesagt wird, zählt nicht.“ Die Ironie: Genau das sagt er, während er die nächste Schlagzeile produziert.
Die Liga schaut gebannt auf das Duell am 7. April: Como gastiert bei Inter. Barella und Mkhitaryan werden fit, Spalletti reist als Berater mit. Wenn es kracht – und es wird krachen –, steht Fabregas wieder im Mittelpunkt. Die Devise lautet: Erst provozieren, dann punkten. Noch funktioniert die Formel. Solange Como gewinnt, hat Italien einen neuen Bad Boy, der die Meistertrainer alt aussehen lässt. Der Countdown läuft.
