Ex-schiedsrichter iturralde: macht, korruption und die bittere wahrheit über den spanischen fußball

Eduardo Iturralde González, eine Ikone des spanischen Fußballs, hat in einem explosiven Interview mit 'El After de Post United' ein erschütterndes Bild des aktuellen Schiedsrichterwesens gezeichnet. Der Mann, der von Bilbao aus die Welt des Fußballs eroberte und 17 Jahre in der Primera División pfiff, prangert Korruption, Machtmissbrauch und den Verlust der Unabhängigkeit an – und das mit einer Direktheit, die in der spanischen Fußballszene selten zu hören ist.

Der preis der unabhängigkeit: 300.000 euro

Iturralde, der einst mit 25.000 oder 30.000 Euro pro Saison auskommen musste, kritisiert die aktuellen Gehälter von rund 310.000 Euro scharf. „Das Geld hat die Unabhängigkeit zerstört“, so der 59-Jährige. „Wenn man so viel verdient, denkt man an die Zukunft, an die Familie. Man ist weniger bereit, sich querzustellen, um nicht in Ungnade zu fallen.“ Die Angst, den Job zu verlieren, wiegt schwerer als die Pflicht, jederzeit das Richtige zu tun.

Er erinnert daran, dass er früher einen anderen Job hatte, von dem er seinen Lebensunterhalt bestritt. Das Schiedsrichtergehalt war ein Bonus, ein Zufall. „Man wusste, dass man jederzeit rausgeschmissen werden konnte, und das hatte ein Ende.“ Diese Unsicherheit gab ihm die Freiheit, Entscheidungen zu treffen, die nicht immer populär waren.

Der var: eine „große lüge“

Der var: eine „große lüge“

Auch die Einführung des Video Assistant Referee (VAR) sieht Iturralde kritisch. „Der VAR wurde aus einer großen Lüge geboren“, behauptet er. Er vermutet, dass die Technologie nicht dazu dient, Fehler zu korrigieren, sondern vielmehr, den Einfluss von außen zu verstärken. Die Einführung von Kameras in den Umkleideräumen und Mikrofonen auf dem Feld sei ein weiterer Schritt, um die Authentizität des Fußballs zu zerstören.

Ein unangenehmes gespräch mit florentino pérez

Ein unangenehmes gespräch mit florentino pérez

Iturralde scheut sich nicht, über seine persönlichen Erfahrungen zu sprechen. Er erinnert sich an ein unangenehmes Gespräch mit Florentino Pérez, dem damaligen Präsidenten von Real Madrid. „Er bat mich, so zu pfeifen, wie er es beim FC Barcelona tun würde“, gesteht er. Real Madrid TV produzierte daraufhin einen 49-minütigen Bericht, um ihn öffentlich anzugreifen. Diese Episode verdeutlicht die Macht, die Fußballvereine über Schiedsrichter ausüben können.

Jesús gil und die politik

Auch eine Anekdote mit Jesús Gil, dem ehemaligen Präsidenten von Atlético Madrid, kommt zur Sprache. Gil warnte ihn bereits in seinem ersten Spiel im Calderón: „Iturralde, misch dich nicht in die Politik ein, sonst wirst du es bereuen.“ Diese Worte spiegeln die politische Dimension des spanischen Fußballs wider, in der Schiedsrichter oft als Schachfiguren missbraucht werden.

Der verlust des glaubens

Iturralde betont, dass das größte Problem des spanischen Fußballs der Vertrauensverlust der Menschen sei. „Egal, wer pfeift, der Schiedsrichter wird immer kritisiert werden.“ Die hohen Gehälter der Schiedsrichter, die an die von CEOs erinnern, tragen dazu bei, dass sie als Marionetten wahrgenommen werden, die von Vereinen und Verbänden gesteuert werden.

Die Geschichte von Eduardo Iturralde ist ein Weckruf für den spanischen fußball. Sie zeigt, dass die Suche nach Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit im Schiedsrichterwesen eine ständige Herausforderung ist – und dass der Preis dafür oft sehr hoch ist. Die Frage ist, ob der spanische fußball bereit ist, sich dieser Wahrheit zu stellen und die notwendigen Veränderungen vorzunehmen, bevor das Vertrauen der Fans endgültig verloren ist.