Von karate zur pfeilbogenschützin: isabel fernández trotzt dem schicksal

Ein Schicksalsschlag, der eine Karriere beendete, hat Isabel Fernández nicht gebrochen – im Gegenteil. Die ehemalige Karatekämpferin aus Toledo hat sich neu erfunden und ist nun auf dem Weg zu den Paralympics. Ihre Geschichte ist ein Beweis für unbändigen Willen und die Kraft des Sports.

Ein traum zerbricht, eine neue leidenschaft erwacht

2015 begann für Isabel Fernández wie ein Märchen: Sie folgte im Fußstapfen ihres Vaters und trat dem Ejército bei. Die Grundausbildung, wie sie schwärmerisch erzählt, waren die „vergnüglichsten Monate ihres Lebens“. Doch kurz nach ihrem Gelöbnis im Infanterieregiment „La Reina“ in Córdoba begann ihre Welt, sich zu drehen. Ein heftiger Schmerz in ihrem Knie während eines Laufens offenbarte eine schwere Chondropathie, die Ärzte als „Knie von einer 65-Jährigen“ diagnostizierten – mit nur 28 Jahren. Die Diagnose: Arthrose, das Ende ihrer sportlichen Karriere schien besiegelt.

„Es war, als ob mir die Welt zusammenbricht“, erinnert sie sich. Ihr Job hing von ihrer körperlichen Fitness ab, und der Sport war ihre Leidenschaft. Doch Fernández ist nicht jemand, der aufgibt. Sie suchte Rat bei José Miguel López, dem Sporttrainer im Nationalen Paraplegiker-Krankenhaus von Toledo. Dort begann ihre Reise in die Welt des Behindertensports.

Zunächst probierte sie Basketball im Rollstuhl und adaptives Radfahren aus. Doch die Sehnsucht nach dem Tatami war zu groß. 2018 traf sie auf ihren ehemaligen Karate-Trainer Álvaro, und so kehrte sie zu ihrem geliebten Sport zurück – allerdings im Rollstuhl und mit Kata-Formen.

Ein Triumph im Rollstuhl: Drei Weltmeistertitel

„Das Karate im Rollstuhl gab mir die Chance, wieder zu kämpfen und meinen Traum zu verwirklichen, mein Land zu vertreten“, sagt sie. Der Moment, als sie das spanische Trikot erhielt, war unvergesslich. Ihre erste Wettkampf-Teilnahme in Ávila war emotional, da sie im selben Pavillon kämpfte, in dem ihr letzter Kampf auf den Beinen stattgefunden hatte. Die Richter kannten sie bereits, und sie beendete den Kata-Auftritt in Tränen – die Richter ebenfalls. Ein neues Kapitel im Karate wurde geschrieben, und Fernández wurde zur Pionierin des Sports im Rollstuhl.

Es folgten drei Weltmeistertitel (Madrid 2018, Dubai 2021 und Budapest 2023) und vier Europameisterschaftsgoldmedaillen. Besonders stolz ist sie auf ihren ersten Weltmeistertitel in Spanien, wo sie in einer emotionalen Atmosphäre auf dem Tatami stand. „Es war das schönste Gefühl, das ich je auf einem Tatami hatte“, gesteht sie.

Der pfeil als neue hoffnung

Der pfeil als neue hoffnung

Doch das Schicksal hatte weitere Prüfungen für Fernández vorgesehen. Ihre Symptome verschlimmerten sich, sie verlor Kraft und Gefühl in den Beinen und Armen, und Spastik und Hyperreflexie beeinträchtigten ihre Bewegungen. Der Wechsel zum Neurologen war unvermeidlich. Eine genetische Veranlagung wurde vermutet, und auch Blase und Darm versagten allmählich.

Als neue Hoffnung erwies sich der Bogenschießen im Rollstuhl. Im Nationalen Paraplegiker-Krankenhaus begann sie mit dem Sport, und nach nur einem Jahr wurde sie zur Weltklasse-Schützin. Sie wurde Vize-Weltmeisterin (2025) und Europameisterin (2026). „Es ist ein Sport, der mir nichts angetan hat, der meine Gesundheit nicht gefährdet“, erklärt sie.

Rubén Montes, der Hochleistungstechniker der spanischen Bogenschützenföderation, war von ihren Fähigkeiten beeindruckt. „Ihre konstante und unermüdliche Arbeitsweise ist bemerkenswert. Sie ist eine Sportlerin, die man zum Ausruhen zwingen muss“, lobt er.

Fernández trainiert hart und hat ihre Technik stetig verbessert. Sie hat sogar einen Weltrekord im Hallenbereich aufgestellt. Mit nur zwei Jahren bis zu den Paralympics in Los Angeles 2028 ist ihr Traum von der Teilnahme an den Spielen greifbar näher.

Isabel Fernández hat bewiesen, dass ein Schicksalsschlag nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Kapitels sein kann. Ihre Geschichte ist eine Inspiration für alle, die mit Herausforderungen konfrontiert sind – ein lebendiger Beweis dafür, dass der menschliche Wille stärker ist als jede Krankheit.

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