Vom barfußballer auf den orangenplantagen zum serie-a-star: adriano pinto spielt mit 46 noch immer

Er verkaufte sein Auto, um nach Italien fliegen zu können. Heute, 24 Jahre später, zieht Adriano Ferreira Pinto in Bergamo noch immer seine Stollen an – in der fünften Liga, mit 46 Jahren, 5:57 min/km im Blut.

Vom orangenpflücker zum profi in 23 tagen belgien

Porto Ferreira, 600 km von São Paulo. Kein Schuh am Fuß, nur Staub und ein Lederball. „Mein Vater sammelte Baumwolle, ich trug die Säcke. Als er an den Pestiziden starb, war ich fünfzehn – und die Familie brauchte Geld.“ Pinto pflückte Orangen, schuftete in einer Ziegelei, schoss nebenbei 27 Tore in 30 Spielen für União São João. Standard Lüttich winkte, doch der 19-Jährige flüchtete nach 23 Tagen wieder: „Ohne Dolmetscher nur Dunkelheit.“

Zurück im Farmland, zurück zwischen die Bäume. Ein DVD mit seinen Toren landete in den Händen von Carlow Colacioppo, Sportdirektor von Lanciano. Flugticket = gebrauchter VW. Italien 2002, Playoff gegen Taranto, Bühne frei.

Atalanta war nie nur ein klub – sie war das versprechen an seine mutter

Atalanta war nie nur ein klub – sie war das versprechen an seine mutter

Delneri verwandelte den Sturmjäger in einen Flügel, Castori schärfte die Defensivarbeit. 2010 debütierte Pinto in der Serie A – mit 32. „Ich schwor meiner Mutter, ihr dieses Trikot zu bescheren.“ 102 Einsätze, 9 Tore, unzählige verschwitzte Shirts. Die Kurve nickte, Bergamo adoptierte ihn.

Nach dem Abstieg 2013 weigerte sich Pinto, die Karriere als Reliquie zu bewahren. Er unterschrieb in Ponte San Pietro – Serie D, Kiesplatz, 500 Zuschauer. Zehn Jahre lang. „Reset-Knopf gedrückt. Jeden Dienstag und Donnerstag Training, nie ausfallen lassen.“ Seine Söhne José (16, Linksverteidiger) und Thiago (12, Außenbahn) fahren jetzt mit – Mama Marianna lenkt den Minivan statt Samba zu tanzen.

5 Kilometer in 19 minuten – die uhr sagt 46, die beine sagen 26

5 Kilometer in 19 minuten – die uhr sagt 46, die beine sagen 26

Almé Promozione, siebte Liga, samstags 15:30 Uhr. Pinto trifft, sprintt, predigt. „Wenn die Jungs nach acht Stunden Arbeit müde kommen, packe ich den Ball und zeige: Der Platz schlägt die Couch.“ Saisonende bedeutet Selbsttest: 5 km in 3:54 min/km. „Solange die Uhr unter 20 bleibt, ziehe ich die Stollen weiter an.“

Kein Marketing-Video, kein Social-Media-Hype – nur ein Mann, der weiß, dass Orangen und Fußbälle dieselbe Form haben. Und dass manchmal das Verkaufen eines Autos der erste Pass in eine neue Realität ist. Nächstes Jahr wird Pinto vielleicht Trainer. Vielleicht. Erst einmal wartet der Sonntag, der Rasen, sein Sohn Thiago mit dem verrückten Dribbling. Die Karriereuhr läuft weiter – barfuß war gestern, heute zählt nur das Spiel.