Evloev gewinnt, verliert aber die herzen: ufc london zwischen jubel und buhruf
London hatte sich mehr versprochen. Stattdessen bekam die O2-Arena einen Hauptkampf, der nach 25 Minuten niemanden überzeugte: Movsar Evloev behält zwar seinen makellosen Rekord, doch die Frage, ob er wirklich der nächste Herausforderer auf Volkanovski ist, steht jetzt offener denn je.
Evloevs pyrrhussieg: 10 ufc-fights, 10 jury-entscheidungen
Der Russe schaltete nach dem ersten Strike-Verlust sofort auf Wrestling-Modus. Die Folge: ein unrundes Schauspiel, in dem Lerone Murphy zwar unter Beschuss geriet, aber nie ernsthaft in Gefahr. Ein illegaler Tiefschlag im vierten Durchgang kostete Evloev einen Punkt – und die Zuschauer ihre Geduld. 48-46, 48-46, 47-47: Die Punktzettel zeigen, wie knapp das Match war. Die Reaktion im Netz fiel eindeutiger aus: „Title shot? Vergiss es“, lautet der Tenor.
Die UFC muss nun rechnen: Jean Silva steht mit zwei spektakulären KOs in Serie in der Warteschlange, und die Marketing-Abteilung weiß, dass Evloev keine Tickets zieht. Die Zahlen sprechen für sich: 25 Prozent seiner Siges-Runden endeten mit mehr Clinch als Significant Strikes – kein Champion verkauft Pay-per-Views mit Defensivgrappling.

Luke riley liefert den einzigen wow-moment
Während die Hauptattraktion verpuffte, lieferte der 23-jährige Liverpooler genau das Feuerwerk, das die Promo versprach. Riley schickte Michael Aswell mit einem perfekt timeten Jab-Cross-Setup in den Seiltanz und nahm ihm in jeder Runde zwei Minuten die Beine. 30-27 auf allen Karten – das sieht nach Shootingstar aus. Mit Paddy Pimblett im Rücken und der Scouse-Crowd im Rücken könnte Riley der erste Brite sein, der zwei Jahre hintereinander ungeschlagen bleibt.

Der gipfel der langeweile: page vs. patterson
Michael „Venom“ Page und Sam Patterson schafften das Kunststück, eine komplette Rundenserie ohne nennenswerten Schlagabtausch zu absolvieren. Die O2 pfeiffte schon in Runde zwei – ein Sound, den man sonst nur von Fußballplätzen kennt. Page gewann 30-27, wurde aber post-fight nicht einmal für ein Interview in den Käfig gebeten. Das sagt alles.

Baraniewski und silva sprengen die zeitlupe
Iwo Baraniewski brauchte 28 Sekunden, um Austen Lane zu deaktivieren – achter First-Round-KO in Folge. Der Polizei-Spezialist aus Breslau ist jetzt 8-0, davon acht KOs in Runde eins. Im Halbschwergewicht fehlt derzeit jeder Top-15-Killer mit dieser Finish-Rate. Danny Silva war noch schneller: 31 Sekunden im zweiten Durchgang ließ Kurtis Campbell seinen UFC-Trauma-Debüt erleben. Der O2 ging vom ersten Gong an auf Vibration, danach war Stille – Campbell lag auf dem Boden, die Karriere-Startbahn verkürzt.
Mason Jones und Alex Sola lieferten den Fight of the Night ab: drei Runden Nonstop-Action, 178 Significant Strikes gesamt, zwei Mal fast Finish. Jones gewann 29-28 – ein Kandidat für die Bonus-Cheques, die Dana White sonst nur an Knockouts verteilt.
Fazit: london lacht, london schimpft
Die Quoten werden es zeigen: Die Hauptkämpfe zogen, aber die Twitter-Trends schwenkten schnell auf #Overrated. Für Evloev bleibt die Frage, ob ein perfekter Rekord reicht, wenn keine Herzen gewonnen sind. Für die UFC bleibt die Erkenntnis: In Europa braucht man mehr als Siege – man braucht Geschichten. Riley lieferte eine, Baraniewski eine weitere. Der Rest war Soundcheck für ein Publikum, das nächtes Mal lauter jubeln will.
