Evaristo beccalossi ist tot: der letzte zauberer von inter stirbt mit fast 70 jahren

Er trat an, als gäbe es keine Gegner, nur Statisten. Evaristo Beccalossi, das linke Bein aus einer anderen Galaxie, ist tot. Der Mann, der 1980 den Derby mit zwei Toren zerlegte und Italien 1982 trotz eines Mädchenschlags nicht zur WM mitnehmen wollte, erlag am 5. Mai einer Hirnblutung – fünf Tage vor seinem 70. Geburtstag.

Der tag, an dem bearzot eine inter-fan schlug

Hotel Villa Pamphili, 3. Juni 1982. Die Squadra trifft sich vor der Abreise nach Spanien. Draußen tobt ein 20-jähriges Mädchen, A.C., Roma-Stammgast, Inter-Hooligan. „Affe, Bastard, warum nicht Beccalossi?“ Enzo Bearzot, sonst Contenance in Person, reagiert mit einer Ohrfeige. Sekunden später sitzen beide in der Lobby. Sie weint, er erklärt: „Er passt nicht ins System.“ Italien gewinnt den Pokal, sie lädt ihn zur Hochzeit ein. Beccalossi bleibt Zuhause – für immer.

Das war die Legende: zu schön für die Maschine, zu frei für die Disziplin. Gianni Brera taufte ihn „Dribblossi“, weil er Autobahnen sah, wo andere Feldwege erkannten. Seine Trainer hassten das. Seine Zuschauer liebten es. Im Herbst 1979 zerlegt er Milan im Derby: 2:0, beide Male Beccalossi, beide Male so lässig, als habe er vergessen, dass es ein Spiel ist. Foto vom zweiten Tor: vier Rossoneri um ihn herum, er ballert mit links ins Netz. Sein Kommentar: „Wollt sie haben? Dann holt sie euch.“

Ein linksfuß, geboren aus liebe und wand

Ein linksfuß, geboren aus liebe und wand

Rechtsfuß von Geburt, linkes Meisterwerk aus Trainingswut. Als Kind schlägt er stundenlang gegen die Mauer der San-Domenico-Savio-Kirche in Brescia – nur mit dem linken Fuß. Vorbild: Omar Sivori, Juve-Ikone. Vater Juventino, Sohn Interista. Er lernt das Tunneln, als Tackling noch mit Eisenstollen kam. Debüt mit 16 gegen Catanzaro, Tunnel gegen Luigi Maldera. Drohung: „Noch mal und ich schick dich nach Soverato.“ Beccalossi lacht, zieht noch einmal durch.

1978 kauft Inter ihn zusammen mit Altobelli. Spillo trifft, Evaristo zaubert. 1980 holen sie den Scudetto, danach der 4:0-Knall gegen Juve. Foto: vier Juventini um ihn, er wedelt mit dem Ball. Spruch, der in den Kurven überlebt: „Nehmt ihn, wenn ihr könnt.“

Zwei elfmeter, ein lied und der absturz

Zwei elfmeter, ein lied und der absturz

September 1982, Pokalsieger-Cup, Inter gegen Slovan Bratislava. Zwei Elfmeter, zwei Male Beccalossi, zwei Male daneben. Paolo Rossi verarbeitet es zum Monolog: „Er schaut das ganze Stadion an und sagt: Ich. Dann schießt er daneben. Und ich denke: Trotzdem ein Mann.“ Enrico Ruggeri bringt „Il fantasista“ heraus: „Ich bin der, den ihr anschaut / wenn ich spielen will.“

Danach der Abstieg. 1984 verkauft Inter ihn an Samp, dann Monza, Brescia, Barletta, Pordenone. 1991 Endstation Breno, Interregionale. Sacchi revolutioniert Italien, Beccalossi gilt als Auslaufmodell. Er geht, ohne zu jammern: „Ich habe getan, was ich wollte. Es reicht.“

Zweites leben zwischen werbeprospekt und autobahncafé

Zweites leben zwischen werbeprospekt und autobahncafé

Nach der Karriere verkauft er Sony-Geräte, leitet eine zwölfköpfige TV-Spot-Truppe in Mailand. Nachts trifft er sich mit Franco Califano im Autogrill Dalmine: „Wir reden über Frauen und Fußball, bis die LKW wieder fahren.“ Er blebt der Ganove mit dem Lächeln, bis die Hirnblutung kommt.

Am 12. Mai hätte er 70 werden sollen. Stattdessen steht nun im Stadion von Brescia eine Kerze, umrandet von schwarz-blauen Schals. Die Kurve singt: „Evaristo, scusa se insisto – du bleibst unser erstes 10.“