Evaristo beccalossi: der unkonventionelle fußballphilosoph
Evaristo Beccalossi, eine Legende des italienischen Fußballs, ist verstorben. Doch seine Worte, seine Lebensweise, seine tiefe Verbundenheit zum Sport – all das lebt weiter. In einem kürzlich wiederveröffentlichten Interview mit der Gazzetta dello Sport gibt der ehemalige Star der Nerazzurri einen ungeschönten Einblick in seine Karriere und seine Persönlichkeit, die ihn sowohl liebenswert als auch unverwüstlich machten.
Ein leben zwischen zigarettenrauch und champions-league-träumen
Beccalossi, der als „Becca“ bekannt war, beschreibt seine Ankunft in Mailand 1978 mit einem zündenden Detail: „Ich kam mit 22 Jahren aus Brescia, ging sofort auf den Duomo, zündete eine Marlboro rossa an und genoss sie. Alles hatte sich verändert.“ Dieser Moment, so schildert er, markierte den Beginn einer Ära, in der er den Fußball auf seine ganz eigene, unkonventionelle Weise erlebte. Ein Fußballer, der nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits davon polarisierte.
Seine unorthodoxen Methoden, das lange Haar als Schutzschild, die Zigaretten, der Kaffee – all das war Teil seines Images. „Ich war ungehobelt, aber spontan“, gestand Beccalossi. „Ich trug langes Haar, um mich zu schützen, wie einen Schild oder eine Rüstung, obwohl ich es nicht mochte, weil ich an Branduardi und Cocciante erinnerte.“
Ein Mythos, der mehr ist als nur ein Theaterstück: Beccalossi war nicht nur ein talentierter Fußballer, sondern auch eine schillernde Persönlichkeit, die über den Sport hinaus wirkte. Sein Einfluss reichte von Paolo Rossis Theaterstück bis hin zu seiner Rolle als Mentor und Vertrauter für junge Spieler.

Die jugend, der under-19-titel und die wertvollen lektionen
Besonders hervorzuheben ist Beccalossis Rolle als Chef de Mission und Vertrauter der italienischen U19-Nationalmannschaft, die kürzlich die Europameisterschaft gewann. Er war nicht nur ein Berater, sondern vor allem ein Freund, der den jungen Spielern auf Augenhöhe begegnete und ihnen half, ihre Ängste und Zweifel zu überwinden. „Ich war glaubwürdig“, erklärte er. „Die neuen Generationen sind nicht verwöhnt, man muss ihnen zuhören.“
Er verstand es, eine Verbindung zu den jungen Spielern aufzubauen, ihre Sprache zu sprechen und ihnen das Gefühl zu geben, akzeptiert und verstanden zu werden. „Sie haben meine Vergangenheit durch ihre ‚Baldacchini‘ (Handys) entdeckt. Zuerst fragten sie, ob ich Rechts- oder Linkshänder sei.“ Selbst nach einer Rote Karte im Turnier verlor er nicht die Fassung und ermutigte die Spieler stattdessen, ihre Sorgen und Ängste abzubauen, indem sie mit Jetskis auf dem Meer ihre Köpfe frei bekommen.
Beccalossi, der stets betonte, dass der richtige Moment entscheidend sei, riet seinen Schützlingen, ihre innere Stimme zu hören und auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen. „Der richtige Moment kommt für jeden Einzelnen auf seine eigene Weise, es ist etwas Natürliches.“
Sein Vermächtnis ist mehr als nur eine Sammlung von Titeln und Auszeichnungen. Es ist eine Lebenseinstellung, die von Leidenschaft, Authentizität und einer tiefen Liebe zum Fußball geprägt ist. Evaristo Beccalossi mag uns verlassen haben, aber seine unvergesslichen Worte und seine unkonventionelle Art, den Fußball zu leben, werden uns noch lange begleiten.
