Europäischer gerichtshof stoppt vater – noelia castillo darf sterben

Am Donnerstag, 26. März, wird Noelia Castillo sterben. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat ihre Entscheidung bestätigt – und damit den letzten Versuch ihres Vaters zerschlagen, die 25-Jährige am Leben zu halten. Die Geschichte beginnt mit einer Vergewaltigung und endet mit einem Statement, das Spaniens politische Debatte spaltet.

Die tat, die alles veränderte

2022. Noelia Castino war 23, als sie überfallen wurde. Die Folge: eine Querschnittslähmung vom Hals abwärts und ein Suizidversuch, der die Lähmung endgültig machte. Seitdem lebt sie an Maschinen angeschlossen, nur die Augen kann sie bewegen. Im April 2024 beantragte sie bei der katalanischen Begutachtungskommission die assistierte Sterbehilfe. Die Genehmigung kam binnen Wochen.

Ihr Vater, unterstützt von der ultrakatholischen Anwaltsgruppe „Abogados Cristianos“, zog vor das Verfassungsgericht, dann vor den EGMR. Argument: psychische Störung, keine eindeutige Willensbildung. Das Gericht in Straßburg wies die Beschwerde am Dienstag ab – mit sofortiger Wirkung. Die todeswürdige Freiheit einer erwachsenen Frau wiegt schwerer als der elterliche Schutzanspruch.

Psychologe molero zündet twitter-sprengsatz

Psychologe molero zündet twitter-sprengsatz

Während die Familie noch mit dem Urin kämpfte, ging Psychologe José Luis Molero auf X los: „Rechte Ratten kratzen nach Stimmen im Leid anderer.“ Er spielt auf die Tatsache an, dass dieselben Parteien, die Castillos Vergewaltigung früher bestritten hätten, nun plötzlich ihre angebliche Unzurechnungsfähigkeit bemängeln. „Wäre sie Opfer einer Männergruppe und wollte leben, hieße es: Lügenpresse, keine Beweise. Aber wenn sie sterben will, ist sie auf einmal glaubwürdig – weil man gegen die Sterbehilfe Stimmen fischen kann.“

Mollers Tweet wurde 1,3 Millionen Mal angeklickt. Die Reaktionen reichen von „Endlich sagt’s jemand“ bis zu Drohungen juristischer Schritte wegen Verleumdung. Die spanische Psychologenvereinigung distanzierte sich, Molero aber verdoppelte: „Wer Politik mit dem Körper einer vergewaltigten Frau macht, hat jede Beleidigung verdient.“

26. März, 9 uhr: termin mit der endgültigkeit

26. März, 9 uhr: termin mit der endgültigkeit

Im Universitätsklinikum Barcelona wird ein Team von vier Ärzten die Infusion starten. Castillo hat ihre letzten Worte per Blicksteuerung in den Computer eingespeist: „Ich reise nicht ab, ich kehre heim.“ Ihre Eltern dürfen dabei sein, doch der Vater kündigte an, er werde nicht anwesend sein. „Ich werde vor der Klinik beten“, sagte er der Tageszeitung „La Razón“. Für ihn ist es Mord, für das Gericht Selbstbestimmung.

Die Zahlen geben Molero recht: In den ersten 48 Stunden nach der Entscheidung schnellte die Nachfrage nach Informationen zur Sterbehilfe bei der spanischen Gesundheitsseite um 312 % nach oben. Die parlamentarische Debatte ist für April angesetzt, doch Noelia Castillo wird sie nicht mehr erleben. Ihr Tod wird nicht „die“ Debatte beenden – aber er wird ihr ein Gesicht geben, das sich nicht mehr wegscrollen lässt.