Esther henseleit fliegt zurück – auf green eagle warten 350.000 € und ein monster
132 Profis, 350.000 Euro, ein Kurs, den Alice Cooper das „Grüne Monster“ taufte – und mitten drin die frischgebackene Olympia-Zweite. Esther Henseleit kehrt vom LPGA-Circus in die Heimat zurück, um beim Amundi German Masters vor heimischem Publikum den Saisonauftakt auf europäischem Boden zu wagen.
Donnerstag 14 uhr – der countdown läuft
Die 27-Jährige trainierte in Scottsdale/Arizona bis zum letzten Flight, schraubte an der Länge ihrer Long-Irons und schliff das Putting. Nun steht sie auf dem ersten Tee des Nord-Kurses in Winsen/Luhe – exakt jener Bahn, auf der schon Tiger Woods beim Deutschen Open 2002 den Ball versenkte. Die Par-72-Anlage misst 6.350 Meter, windanfällig, mit Wasserhindernissen, die selbst Top-10-Spielerinnen in den Keller der Scorekarte schicken. „Das Grüne Monster beißt zu, wenn man die Fairways verlässt“, sagte Henseleit gestern bei der Pro-Am-Runde mit einem Grinsen, das die Anspannung nur halb kaschiert.
Die Zahl 132 ist Programm. So viele Spielerinnen gehen an den Start, darunter fast das komplette deutsche LET-Kontingent. Für viele geht es nicht nur ums Preisgeld, sondern um Weltranglistenpunkte, die den Sprung auf die LPGA erleichtern. Henseleit selbst ist bereits dort angekommen, doch die Silbermedaille von Paris lastet wie ein Mantel aus Blei – oder wie ein Turbo, je nach Blickwinkel. „Ich will beweisen, dass Paris kein einmaliger Glückstreffer war“, sagt sie.

Kids und väter zahlen nichts – der verband zieht die reißleine
Der Norddeutsche Golf-Verband nutzt das Turnier als Schaufenster. Jugendliche unter 18 Jahren kommen kostenlos auf das Gelände, an Christi Himmelfahrt auch alle Väter, sofern sie ihre Sprösslinge mitbringen. Die Gästezahl soll nach Corona wieder in die Tausendergefilde klettern. Parallel dazu sichert Sportbild.de die Live-Übertragung der ersten beiden Runden, ein Signal an Sponsoren, dass Frauengolf im deutschen Fernsehen nicht länger Randnotiz bleiben muss.
Die Starterliste liest sich wie das Who-is-Who des europäischen Tours. Mit dabei: die Dänin Emily Kristine Pedersen, die Niederländerin Anne van Dam und die Schwedin Linn Grant, letztere bekannt für ihre 290-Yard-Drives. Doch die Fans wollen vor allem Henseleit sehen. Ihre Heimspiele hat sie bisher nie unter Top-10 beendet – ein Makel, den sie auslöschen will. „Ich kenne jeden Grünslope hier, jeden Baum, jeden Windstoß. Jetzt muss ich nur noch den Ball in die richtige Richtung schlagen.“
Am Donnerstag um 14 Uhr ertönt der erste Abschlag. Dann zählt kein Ranking, keine Medaille, nur die Zahl auf der Scorekarte. Wer das Monster zähmt, darf am Sonntag den Siegercheck über 52.500 Euro entgegennehmen – und vielleicht auch den Großen Preis der Heimatkurve. Für Henseleit wäre es der erste LET-Titel auf deutschem Boden. Die Vorzeichen stehen gut, die Nerven liegen blank. So muss Sport sein.
