Endrick brennt für wm-ticket – ancelotti lässt ihn kalt
78 Tage vor Brasiliens Auftakt gegen Marokko sitzt Endrick wieder nur draußen. 90 Minuten lang starrte er gegen Frankreich auf die grüne Wiese, während Igor Jesus, Joao Pedro und Luiz Henrique seine Minuten klauten. Das 19-jährige Supertalent liefert in Lyon Tore und Vorlagen am Fließband, doch in Ancelottis Kopf steht er immer noch hinter Vinícius, Raphinha und Martinelli. Die Kluft zwischen Club-Explosion und Nationalbank wächst – und die Uhr tickt.
Die zahlen lügen nicht: sechs treffer, fünf assists in 14 spielen
Seit Januar ist Endrick ein anderer Mensch. Das Leihgeschäft nach Frankreich schlug wie ein Adrenalinshot in seine Oberschenkel. Debüt im Coupe de France – sofort Treffer. Dreierpack gegen Metz. Europapokal-Tor gegen Celta Vigo. Die Ligue-1-Defensiven zappeln hinter seinem Antritt, doch Ancelotti schaut offenbar Netflix statt L'Équipe.
Sein letztes Länderspiel liegt 13 Monate zurück, das letzte Tor im Selecao-Trikot sogar 20. Die Verletungspause ist längst Geschichte, trotzdem blieb der Anruf aus Rio im Oktober und November aus. Kroatien am Mittwoch ist die letzte offene Prüfung. Sitzt er wieder komplett, dürfte der WM-Traum endgültig platzen – Brasilien reist nur mit 23 statt 26 Koffern nach Nordamerika.

Ancelotti testet thiago, nicht den heißläufer
Der Coach setzt auf Reife, nicht auf Rohdiamant. Dabei zeigt Endrick genau das, was Brasilien gegen tiefe Abwehrblöcke braucht: Zonenlöcher-Schnüffler, Abschlussgewalt, Unbekümmertheit. Doch Ancelotti vertraut auf das bewährte Trio. Das Signal ist ein Eisbad für jeden Jungen, der dachte, Tore würden Tore öffnen.
Endrick selbst quält sich mit Standard-Antworten: „Ich bin glücklich, mit der Mannschaft spielen zu können.“ Happy-End? Fehlanzeige. Zwischen den Zeilen hört man ein leises „Warum nicht ich?“.
Die WM-Kadermeldung erfolgt Ende Mai. Bis dahin muss Endrick nicht nur Tore schießen, sondern Ancelottis Kopf umkrempeln. Sonst bleibt ihm nur die Tribüne in Dallas – und der Gedanke, dass Talent allein nicht reicht, wenn der Trainer nicht hinzählt.