Emma aicher zerschellt in val di fassa – warum das debakel ihr größter karriereschub ist

Platz 12, Aus im Super-G, 28 Punkte Rückstand auf Laura Pirovano – für Emma Aicher war das Speed-Wochenende in Val di Fassa ein Schlag ins Kontor. Die 22-Jährige fluchte live im ZDF: „Ich bin einfach nur angepisst auf mich!“ Doch hinter dem Frust verbirgt sich ein Lehrstück, das sie von der Next-Gen-Hoffnung zur echten Titelkandidatin reifen lässt.

Der knacks, der nötig war

Nach Silber in der Abfahrt und im Super-G von Cortina schien Aicher auf dem Highway zur Kristallkugel zu düsen. Dann kam der italienische Eisbrecher: ein Fahrfehler am ersten Flügel der Olimpia delle Tofane, ein Hängenbleiben am zweiten Tor des Super-G. Die Serie von neun Top-Ten-Platzierungen in Serie riss – und das ist gut so. Wolfgang Maier, Sportdirektor des DSV, formulierte es so: „Es ist wie immer im Leben, man muss aus der Situation das Beste rausnehmen.“ Für Aicher heißt das: endlich Fehlerkultur statt Perfektions-Show.

Die Zahlen sprechen trotzdem für sich: Vor der Final-Woche liegt sie in der Abfahrt nur 28 Zähler hinter Pirovano, im Super-G auf Platz drei, in der Gesamtwertung auf Rang zwei – 125 Punkte hinter Mikaela Shiffrin. Selbst wenn die US-Gigantin unangreifbar bleibt, könnte Aicher als erste Deutsche seit Maria Höfl-Riesch 2014 die kleine Abfahrts-Kugel holen. Felix Neureuther bilanziert: „Das ist schon ein Brett, eine fantastische Entwicklung in so kurzer Zeit.“

Der psycho-check fürs finale

Der psycho-check fürs finale

Die Saison endet mit einem Killerprogramm: Are (SL/Riesenslalom) und Kvitfjell (Abfahrt/Super-G). Aicher ist die einzige Top-Athletin, die in allen vier Disziplinen startet – ein Trumpf im Kampf um Bonuspunkte und Startplätze. Tina Maze warnt die Konkurrenz: „Wenn du alles fährst und dabei auch noch gut bist, haben die anderen keine Chance – auch Mikaela nicht.“

Die Frage ist nicht mehr, ob Aicher den Gesamtcup holt, sondern wann. Val di Fassa war der erste große Rückschlag, den sie öffentlich austragen musste. Die Art, wie sie ihn benennt – „dumme Fehler“ – zeigt: Sie übernimmt Verantwortung statt zu lamentieren. Genau diese Härte wird sie in Are brauchen, wenn der Slalom-Truck rollt und die Nerven flattern.

Die Kugeln sind noch greifbar, der Lernprozess abgeschlossen. Wer jetzt auf Siegmodus umschaltet, ist nicht mehr der Shootingstar, sondern der Gegner, den niemand mehr unterschätzt. Aicher selbst sagt: „Das muss man abhaken.“ Getan. Nächster Stopp: Schweden – und die Chance, Val di Fassa mit Gold zu vergessen.