Werder rettet sich: dusel und konkurzszweitschläge!

Die Luft war zum Schneiden dick in Bremen. Nach einer Saison, die oft an ein Spiel auf dem Abgrund erinnerte, hat Werder Bremen doch noch die Segel gestärkt und den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga gefeiert – wenn auch mit einer ordentlichen Portion Dusel und dem Patzen der direkten Konkurrenten. Olaf Rathje blickt zurück auf eine Saison zum Vergessen, die aber dennoch ein Happy End erlebt hat.

Ein „scheißsaison“ mit überraschendem ausklang

Berti Vogts wusste es bereits: Wenn ein Mann über Wasser läuft, sagen die Kritiker, er könne nicht einmal schwimmen. Ähnlich erging es Werder Bremen. Trotz des nun gesicherten Klassenerhalts steht der Verein vor einer gehörigen Menge an Kritik. Denn was bleibt von dieser Spielzeit? Nur wenige Glanzmomente, wie der Sieg im Nordderby gegen den HSV oder das 4:0 gegen Mönchengladbach. Selbst das rettende Ende fühlte sich – anders als in glorreicheren Zeiten – eher wie ein Befreiungsschlag an, als wie ein Grund zum ausgelassenen Feiern.

Trainer Daniel Thioune hat frühzeitig klare Ansagen gemacht und ordnete an, dass es „verbiete zu feiern“, während Kapitän Marco Friedl bereits vergangene Woche von einer „Scheißsaison“ sprach. Die Worte sind ungeschönt, aber ehrlich.

Mehr als nur ein klassenerhalt: ein ausbildungsverein entsteht

Mehr als nur ein klassenerhalt: ein ausbildungsverein entsteht

Die Gründe für diesen Rückschritt sind vielfältig: Häufige Verletzungen, insbesondere der Ausfall von Mitchell Weiser, und eine Kaderzusammenstellung, die Fragen aufwirft. Der Transfer von Victor Boniface, die Winter-Panne beim Spieler-Ausleihen und die Fehleinschätzungen bei Spielern wie Samuel Mbangula und Skelly Alvero, für die der Verein rund 15 Millionen Euro investierte, lasten schwer auf der sportlichen Führung.

Doch es gibt auch Lichtblicke: Werder Bremen scheint sich neu zu definieren – als Ausbildungsverein. Mit Mio Backhaus und Karim Coulibaly haben die Grün-Weißen zwei hoch talentierte Spieler hervorgebracht, deren Marktwert zusammen über 30 Millionen Euro liegt. Das ist in der unteren Tabellenhälfte der Bundesliga eine bemerkenswerte Leistung und zeigt, dass sich die Strategie langfristig auszahlen könnte.

Die zukunft: mehr als nur das überleben

Die zukunft: mehr als nur das überleben

Die Abstiegsangst wird wohl auch in den kommenden Jahren eine Rolle spielen. Doch während die Champions-League-Hymne im Weser-Stadion nur noch eine ferne Erinnerung ist, gilt es, die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung zu stellen. Wie Stefan Effenberg einst sagte: „Die Situation ist aussichtslos, aber nicht kritisch.“

Der Blick richtet sich nun auf die neue Saison, in der Werder Bremen hoffentlich nicht nur dem Abstieg entgeht, sondern auch wieder eine sportlich ansprechendere Rolle einnehmen kann. Die Zeichen stehen nicht auf Sturm, aber auf kontinuierliche Verbesserung und die weitere Entwicklung vielversprechender Talente.