Emilien jacquelin zündelt am karriere-aus: „ich muss die innere flamme wieder spüren“

Gold, Bronze – und nun die Frage nach dem Ende. Emilien Jacquelin, Frankreichs fünffacher Biathlon-Weltmeister, hat nach der Saison 2025/26 erstmals offen ein Karriere-Aus ins Spiel gebracht. „Wir werden sehen, wie es nächstes Jahr aussieht“, sagte der 30-Jährige der L'Équipe. Die Worte klingen wie ein Abschied, der sich noch nicht ganz traut.

Die flamme erlischt – und mit ihr die lust

Jacquelin spricht nicht über verletzte Knie oder Sponsorenstress. Er spricht über Langeweile. „Acht, neun Saisons auf derselben Rennstrecke – das kann redundant sein“, sagt er. Im Peloton des Weltcups kann man sich keine Etappen aussuchen wie im Radsport. Der Kalender diktiert, die Loipe fräst Spuren. „Wenn der Sport zur Belastung wird, ist es besser aufzuhören.“

Die Zahlen dagegen lügen nicht: seit 2017 im Weltcup, fünf WM-Golds, Olympia-Silber 2022, Olympia-Gold 2026 in Antholz mit der Staffel. Doch Medaillen glühen nicht ewig. Jacquelin sucht das neue Feuer, nicht den neuen Pokal.

Olympia 2030 als köder – oder als falle

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Die Heimspiele in den französischen Alpen rücken näher. „Das könnte ein unglaubliches Fest werden“, sagt er. Aber vier Jahre sind ein Marathon, nicht mehr seine Distanz. „Um Leistung zu bringen, muss man mental zu 100 Prozent dabei sein.“ Eine Pause? Denkbar. Aber nur, wenn er danach wieder vorne liegt. „Wenn ich am Ende 30. werde und in den IBU-Cup zurückfalle, ist es ein Sumpf.“

Mindestens noch drei Stationen wird er antreten: Kontiolahti, Otepää, Oslo. Danach trifft er sich selbst zum Flammen-Check. Kein Sponsor, kein Trainer, kein Fan kann ihn zünden. Die Entscheidung liegt in seinem Brustkorb – und in der Erinnerung an das, was nach dem Sport kommt: „Es gibt tausend unglaubliche Dinge im Leben zu entdecken.“

Jacquelin wird nicht weinen, wenn er aufhört. Er wird loslaufen – nur diesmal ohne Gewehr, ohne Zeitnahme, ohne Zielscheibe. Und vielleicht spürt er dann genau das: eine Flamme, die nichts mit Podesten zu tun hat.