Raimund kassiert sieg nach prevc-skandal – domen holt trotzdem die kugel
Lahti – Was für ein Irrsinn! Philipp Raimund fliegt 122,5 Meter, jubelt über Silber – und wird Stunden später zum Sieger erklärt, weil Domen Prevc einen Zentimeter zu langen Ski montiert hatte. Der Disqualifikations-Coup beschert dem Olympia-Champion aus Oberstdorf seinen ersten Weltcup-Triumph. Prevc selbst lacht trotzdem: Die Kristallkugel ist sicher.
Der zentimeter, der alles umwirft
129 Meter weit war Prevc in der finnischen Nacht geflogen, eine Demonstration der Macht. Doch im Materialcheck entdeckten die FIS-Kontrolleure die Regelübertretung: Der Sprungski maß 1,46 statt erlaubter 1,45 Meter. Für den Slowenen bedeutet das: null Punkte, Sieg weg, Podest weg. „Die Techniker haben die Latte um 10 Millimeter verpasst“, sagte Teammanager Vasja Bajc. „Ein menschlicher Fehler, der uns lehrbuchmäßig ausbremst.“
Raimund selbst erfuhr von der Wendung im Mixed-Zone-Interview. „Ich dachte zuerst, das sei ein Scherz“, gestand er. „Aber die Trophäe ist echt, und mein Name steht jetzt in der Siegerliste – das wird für immer so bleiben.“ 25 Tage nach Gold von Engelberg kommt also das nächste Karriere-Highlight – und ein Beweis, dass Geduld sich manchmal verspätet, aber nie vergebens lohnt.

Die big five in zwölf monaten – nykänens einsamkeit beendet
Während Raimund noch die Sektkorken knallen lässt, hat Prevc längst die nächste Party organisiert. Platz sechs von Ryoyu Kobayashi reicht, um die Gesamtwertung vorzeitig zu sichern. Innerhalb eines Jahres hat der Slowene damit alle Einzel-Krönungen gesammelt: Olympia, Vierschanzentournee, Skiflug-WM, Einzel-WM und Gesamtweltcup. Die „Big Five“ hatte zuletzt nur Matti Nykänen vereint – 1988. Prevc brauchte dafür nur 324 Tage.
Dazu das familiare Kunststück: Schwester Nika holte am Donnerstag die Kugel der Frauen. Erstmals tragen Geschwister be Kristall-Kugeln nach Hause – ein Novum, das selbst die FIS-Statistiker ratlos machte. „Wir haben in den 90er-Jahrtausenden alle Rekordbücher durchsucht“, sagt Archiv-Chef Matthias Moser. „So etwas ist nie passiert.“

Deutsches springen ohne schwung
Nur Pius Paschke schaffte als Zwölfter den einzigen Top-15-Platz. Karl Geiger (23.), Andreas Wellinger (38.), Luca Roth (41.) und Felix Hoffmann (44.) rutschten ab, wie auf Glatteis. Sven Hannawald wetterte im ZDF: „Keine Sprungkultur, keine Risikobereitschaft – das ist frustrierend zuzusehen.“ Bundestrainer Stefan Horngacher kündigte Konsequenzen an: „Wir müssen die Stellschrauben drehen, sonst wird das ein lahmer Winter.“
Am Samstag folgt der nächste Einzelbewerb, am Sonntag das Super-Team. Für Raimund geht die Jagd auf Weltcup-Sieg Nummer zwei weiter – und für Prevc beginnt die Mission, die Kristallkugel mit einem versöhnlichen Sprung in den Ferien zu feiern. Lahti bleibt spannend, denn wer einen Zentimeter vermisst, verliert – aber wer Geschichte schreibt, gewinnt trotzdem.
