Eisenbichler kehrt zurück: dsv verpflichtet alten bekannten als bitterling-nachfolger

Der Deutsche Skiverband (DSV) hat seine Führungslücke im Biathlon nach nur wenigen Wochen geschlossen: Bernd Eisenbichler übernimmt zum 1. Mai das Amt des Sportdirektors und damit die Nachfolge von Felix Bitterling, der zur IBU wechselt.

Die Entscheidung fällt früher als erwartet. Nach Bitterlings überraschendem Abschiedsgeständnis im Februar war offen, ob der Verband intern aufstockt oder einen externen Neuanfang wagt. Nun setzt der DSV auf Kontinuität: Eisenbichler, 50, war von 2016 bis 2022 bereits Sportdirektor, kennt also jede Schaltstelle im System, jeden Trainer, jede Athletin.

Warum ausgerechnet er?

Die Antwort liegt in der Bilanz. Unter seiner Ägide holte das DSV-Team 2019 und 2021 insgesamt fünf WM-Golds, die Damen-Staffel dominierte die Weltcup-Saison 2019/20. Als er damals zur Industrie wechselte, hinterließ er strukturelle Reformen: ein neues Leistungsdiagnose-Zentrum in Ruhpolding, verbindliche Wettkampf-Rotationen für Nachwuchsathleten, ein Monitoring-Tool, das heute Standard ist.

Jetzt kehrt er zurück – nicht als Retter in der Not, sondern mit klarer Agenda. „Ich will verstehen, warum unsere Männer in Antholz auseinanderbrachen und warum die Frauen trotz Top-Material nur Sprünge machen“, sagte er am Rande der Pressekonferenz. Gemeint ist die desolate WM-Anfangsphase 2025, als keine deutsche Mannschaft die Top-10 erreichte.

Was bitterling hinterlässt – und was nicht

Was bitterling hinterlässt – und was nicht

Bitterling selbst geht mit breiter Brust. Er räumte ein, dass die Kommunikation zwischen Bund und Landestrainer*innen in den vergangenen zwölf Monaten „holprig“ war. Mit Eisenbichler habe er deshalb bereits ein „Drehbuch“ für die nächste Olympia-Amplitude verfasst: klare Verantwortlichkeiten, kleinere Kader, dafür intensivere Betreuung. Die IBU holt damit einen Mann, der interne Workflows ebenso beherrscht wie die politischen Verhältnisse in München.

Für den DSV geht es nun um Schnelligkeit. Die Saison 2025/26 beginnt in sechs Monaten, die ersten Schnee-Camps stehen bereits fest. Eisenbichler muss sich rasch mit neuem Co-Trainer Kristina Dampf abstimmen, die Nachwuchs-Spitzenkader neu justieren und vor allem: die Mentalität der Männer reparieren, die seit 15 Monaten ohne Podestplatz sind.

Die Athleten reagieren erleichtert. „Endlich wieder jemand, der schon mal in unseren Bindungen gestanden ist“, sagte Franziska Preuß nach dem Training in Ruhpolding. „Er redet klar, keine Umschweife. Das hat uns gefehlt.“

Die Uhr tickt. In 312 Tagen beginnen die Olympischen Winterspiele von Cortina. Eisenbichler hat 312 Tage, um aus einer verunsicherten Truppe wieder eine Medaillenmaschine zu bauen. Die Biathlon-Welt blickt auf Deutschland – und Deutschland blickt auf Eisenbichler.