Eduard koksharov stirbt mit 50: handball verliert seine treffsicherste seele

Die Handball-Welt schlug gestern Morgen einen Moment lang still. Eduard Koksharov, Olympiasieger, Weltmeister und Russlands unangefochtener Rekordtorschütze, wurde tot in seinem Hotelzimmer im belarussischen Brest gefunden – 50 Jahre jung, ein Kaffeebecher noch halb voll, der Wecker stumm.

Sein Verein HC Meshkov Brest bestätigte den plötzlichen Tod im Trainingslager: „Eduard hat unser Team und die Herzen aller geprägt, die ihn kannten.“ Der ehemalige Linksaußen war seit 2021 Chefcoach des weißrussischen Serienmeisters, zuletzt holte er den kompletten nationalen Titelhattrick plus die SEHA Liga.

1.110 Tore, ein lebenswerk in zahlen

Koksharovs Statistik liest sich wie ein Märchen, das kein Computerspiel erlauben würde: 226 Länderspiele, 1.110 Tore – als einziger Russe jenseits der Tausender-Marke. 1997 krönte er sich in Japan zum Weltmeister, 2000 in Sydney zum Olympiasieger. Fünfmal wurde er zum besten Linksaußen der Welt gewählt, zweimal kürten ihn die Fans zum „Handballer des Jahres“.

Doch hinter den Nummern steckte ein Kämpfer, der sich mit 1,86 m Körpergröße in eine Position zwängte, die eigentlich für zwei Meter-Riesen reserviert ist. „Ich musste schneller denken als andere springen“, sagte er einmal bei einer Euro-Sport-Doku. Sein Signature-Move: der halbe Sprungwurf aus dem Stand, ein Trick, den er auf den Asphaltplätzen von Krasnodar lernte, weil es dort keine Hallen gab.

Vom straßenkicker zum champions-league-hero

Vom straßenkicker zum champions-league-hero

Nach seinem Heimatklub SKIF Krasnodar wechselte er 1998 zu RK Celje. Dort feierte er acht slowenische Meisterschaften und 2004 den Pokal der Pokale – damals noch mit Auswärtstorregel und goldenem Tor. In Tschechow folgten zwei weitere russische Titel, bevor er 2010 seine Karriere beendete und sofort auf der Bank weitermachte.

Als Bundestrainer Russlands (2017-2020) scheiterte er knapp an Olympia 2021, schmiedete aber einen neuen Kern um Dmitrij Kiselev und Sergej Kosorotov. In Brest verwandelte er eine Millionen-Truppe in eine Siegmaschine – 24 Pflichtspiel-Siege in Serie, ehe die Nachricht vom Frühstückstisch die Serie jäh stoppte.

Ein sohn auf dem fußballplatz, ein vater in den sternen

Ein sohn auf dem fußballplatz, ein vater in den sternen

Koksharov hinterlässt seine Ehefrau Jelena und zwei Kinder. Sohn Alexander läuft als Mittelfeldspieler für FK Krasnodar auf, Tochter Anna studiert Sportjournalismus in Moskau. „Papa wollte immer, dass wir unsere eigenen Geschichten schreiben“, sagte Alexander gestern via Instagram – begleitet von einem Foto, das ihn als Kind mit einem Mini-Handball auf dem Olympiapodest zeigt.

Die Obduktionsergebnisse stehen noch aus, erste Indizien deuten auf einen Herzstillstand. Die Handball-Europäische Union wird heute um 15 Uhr eine Gedenkminute vor dem EHF-Cup-Viertelfinale einlegen. Für viele Aktive war Koksharov nicht nur Idol, sondern auch der Typ, der nach Niederlagen noch mit jedem Einzelnen sprach.

Die Zahlen bleiben, die Stimme verstummt. Wer jemals ein Spiel mit Eduard Koksharov sah, weiß: Einen solchen Linkshänder bekommt der Sport nicht zweimal. Die 1.110 Tore sind Geschichte – und sie sind lauter als jede Schweigeminute.