Duplantis jagt den nächsten rekord – dosso und doualla blitzen in mailand
Kurz nach Sonnenuntergang über der Metropole des italienischen Sports wird wieder Geschichte geschrieben. Armand Duplantis schwingt sich um 18.25 Uhr in die Stabhochsprung-Bucht, neun Tage nachdem er die Latte bei 6,31 m durchpulste. Für ihn ist es ein Trainingstag mit Publikum. Für alle anderen der nächste Beweis, dass sich die Menschheitsgrenze alle paar Wochen um einen Zentimeter nach oben schiebt.
Die Arena di Milano ist an diesem Samstagabend ein einziges Klingelband. Im 3000-m-Finale der Frauen trägt Nadia Battocletti das Azzurri-Trikot – und die Last der italienischen Rekordmarke von 8.35,87 min. Neben ihr: Micol Majori, 21 Jahre alt, erstmals bei einer internationalen Großveranstaltung jenseits der Kurzstrecke. Wer hier unter 9 Minuten bleibt, darf sich für Paris 2027 schon mal den Koffer kaufen.
Simonelli muss zwei mal sprinten
18.48 Uhr, 60 m Hürden, Halbfinale. Lorenzo Simonelli spürt, wie die Stahlwucht seiner Nervosität gegen die Startblöcke klatscht. 7,53 s reichten im Vorlauf – heute braucht er mindestens drei Zehntel weniger, will er um 21.02 Uhr noch einmal ran. Dazwischen: ein schnelles Abendessen, ein Blick aufs Smartphone, vielleicht ein Lächeln für die Kamera. Die Hürde ist hart, das Programm härter.
20.14 Uhr dann der feminine Blitz. Zaynab Dosso startet als Favoritin, doch der Name, der die Tribünen in Wallung bringt, ist Kelly Doualla. Die 16-jährige Französin trägt noch Schulranzen-Gravur im Nacken und schon EM-Chancen in den Waden. Wer bei der U18-Europameisterin an „zukunft“ denkt, denkt zu klein. Sie will schon heute um 21.20 Uhr endgültig das Wort „Junioren“ aus dem Formular streichen.

Ein abend, der alte grenzen sprengt
Zeiten, Höhen, Centimeter – sie alle tanzen heute auf Rasen und Tartan. Doch hinter den Zahlen steckt ein einfacher Mechanismus: Jemand traut sich mehr als gestern. Duplantis machte es vor, Battocletti und Majori setzen nach. Simonelli riskiert auf der Hürde, was seine Sprunggelenke hergeben. Doualla? Die läuft einfach, als wäre die Ziellinie ein Freifach in der Schule.
Um 21.20 Uhr wird die Halle erdrosseln, weil 6.000 Zuschauer gleichzeitig Luft holen. Dann fliegt die Latte, knallen die Blocks, rattern die Zeitmessgeräte. Und wenn um 21.45 Uhr die Lichter ausgehen, steht ein neuer Eintrag im Lexikon der Leichtathletik: entweder ein Weltrekord, ein U18-Rekord oder einfach nur die Gewissheit, dass Sport nie linear ist, sondern ein Sprung – mit oder ohne Stab.
