Deutsche u20 demolieren österreich: 44 tore, ein ankermann und ein vorgeschmack auf olympia

Keine zwei Minuten brauchte Tim Schröder, bis er die erste Lücke riss. Drei Minuten später stand 4:0 auf der Anzeige – und Österreich war schon weg. Die deutsche U20 feierte im ersten Länderspiel gegen den Nachbarn eine Schleudersitz-Partie: 44:28 lautete das Urteil vom Bodensee, ein Ergebnis, das so deutlich war, dass selbst Bundestrainer Heubergernach dem Schlusspfiff nur noch das Positionsangriffs-Chaos bemäkelte.

Das mindlestadion wird zur deutschen festung

Steißlingen – 800 Zuschauer, ein kreisrund wirkender Finn Knaack im Kasten und ein Rückraum, der sich in Gegenstoß-Wellen aufrollte. 22 der 44 Treffer fielen nach Umkehraktionen, ein Statistikwert, der selbst in der 3. Liga selten auftaucht. „Wir wollten defensiv kompakt stehen und dann schnell umschalten“, sagte Heuberger – und genau das machten seine Jungs: Tom Koschek, Julien Sprößig, Anton Voß und Monty Kleinsteuber liefen die Österreicher in Serie schwindelig. Koschek traf achtmal, vier Mal vom Siebenmeterpunkt, und hatte schon zur Pause den Hattrick zum 20:10 eingestreut.

Die Mindlesthalle wird so langsam zum Lieblingsort des DHB. Erst im Oktober jubelte hier die U18 der Frauen gegen die Schweiz, nun der Männer-Nachwuchs. Ein Ort, an dem deutsche Handballzukunft spürbar wird.

Ankermann rutscht durch den olympischen schongang

Ankermann rutscht durch den olympischen schongang

Rasmus Ankermann war eigentlich noch Trainingsgast bei der A-Nationalmannschaft, durfte aber kurzfristig in den U20-Kader rutschen. Sein Treffer zum 9:6 war nur ein kleines Detail, aber symbolisch: Der Kapitän trägt Olympia-Atmosphäre nach Steißlingen, ohne selbst lange zu glänzen – das übernahmen andere. „Allen Spielern Einsatzzeiten geben“, lautete die Devise, und so durfte jeder der 17 Feldspieler mindestens einmal jubeln. Nur Linus Schmid blieb wegen grippaler Symptome auf der Bank.

Österreich kam zwar zwischenzeitlich auf 31:22 heran, doch jedes Mal, wenn die Gäste glaubten, den Rückstand zu zementieren, schlug Deutschland einen Zahn zu. Die letzten sieben Minuten: 7:2. Die Schlusssirene war kaum mehr als Formsache.

Rückspiel in bregenz: jetzt darf’s auch mal ruhiger sein

Rückspiel in bregenz: jetzt darf’s auch mal ruhiger sein

Bereits am Samstag, 15.30 Uhr, geht’s in Bregenz weiter. Für Heuberger ist die Marschrute klar: „Wir wollen den Positionsangriff stabilisieren, aber das Ergebnis darf ruhig knapper ausfallen.“ Eine Ansage, die klingt, als hätte der Coach noch ein paar Szenarien im Köcher, die er testen will. Die Qualität des Kaders ist längst dokumentiert – 44 Tore sprechen eine deutliche Sprache. Österreich wird sich warm anziehen müssen, denn der deutsche Gegenstoß kennt offenbar kein Pardon.