Basel muss auf omeragic verzichten – lichtsteiner muss umstellen

Die Abwehr des FC Basel bekommt vor dem Auswärtsspiel in Winterthur einen Ruck. Becir Omeragic, erst seit Januar zum x-ten Mal Leihspieler, laboriert nach dem Heimspiel gegen Servette an einer Fussprellung – und wird am Sonntag mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fehlen.

Die schmerzen sitzen tiefer als erhofft

Interne Tests bestätigen, dass die Blessur am linken Fuss nicht nur ein Hämatom ist. Der 21-Jährige konnte seit dem 2:2 gegen Genf keine Einheit komplett absolvieren, die Belastungssteuerung blieb erfolglos. Die Basler Sportdirektion rechnet offiziell mit „einer Ausfallzeit von sieben bis zehn Tagen“, doch hinter den Kulissen spricht man eher von zwei Wochen – ein Zeitraum, der das Restprogramm der Qualifikationsrunde tangiert.

Trainer Stephan Lichtsteiner verliert damit eine der wenigen Konstanten seiner Viererkette. Omeragic absolvierte alle neun Rückrundespiele über 90 Minuten, gewann 63 Prozent seiner Zweikämpfe und stellte die einst gefürchtete Lücke zwischen Abwehr und Mittelfeld trocken. Ohne ihn sinkt die durchschnittliche Balleroberung pro Spiel um 14 Prozent – eine Zahl, die den Staff in den letzten 48 Stunden nicht schlafen lässt.

Daniliuc und vouilloz sollen die lücke stopfen

Daniliuc und vouilloz sollen die lücke stopfen

Die Lösung heisst Flavius Daniliuc und Nicolas Vouilloz. Der Österreicher feierte nach seiner Hüft-OP gerade sein Comeback, die Minuten gegen Servette waren seine ersten seit 71 Tagen. Vouilloz wiederum stand zuletzt vor zwei Monaten in der Startelf, rutschte danach wegen Formschwankungen auf Platz elf. Lichtsteiner wird die Duo-Bildung kurzfristig umstellen: Daniliuc übernimmt die linke Seite, Vouilloz rückt ins Zentrum, obwohl er dort in dieser Saison erst 45 Minuten gespielt hat.

Das Problem: Die Automatismen fehlen. In den letzten fünf gemeinsamen Trainingseinheiten zeigte sich, dass Vouilloz bei hohem Pressing zweimal die Cover-Position verpasste – beide Male landete der Ball beim frei stehenden Stürmer. Winterthur hat genau diese Schwäche in den Videoanalysen entdeckt und in den letzten drei Heimspielen 13 Tore über die halbräumliche Lücke geschossen.

Dazu gesellt sich Keigo Tsunemoto. Der Japaner fiel nach wie vor nicht ins Mannschaftstraining ein, die Adduktorenblessur zieht sich seit Februar. Ohne ihn fehlt auf der rechten Abwehrseite die Schnelligkeit – ein Risiko gegen den schnellen Konterspieler Roman Buess, der in dieser Saison bereits acht Assists schrieb.

Die folgen reichen über dieses spiel hinaus

Die folgen reichen über dieses spiel hinaus

Basel hat nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Fällt die Abwehr aus dem Takt, könnte der Druck auf den Youngster Noah Yannick weiter wachsen, der in der Rückrunde bereits drei individuelle Fehler direkt in Gegentore münden ließ. Lichtsteiner wird seine Offensive wohl umstellen müssen, um das Mittelfeld stärker zu besetzen – ein Schachzug, der aber die ohnehin nur 1,08 Tore pro Spiel in der Fremde weiter schmälern könnte.

Die Basler Fans reagieren mit gemischten Gefühlen. Auf Social-Media-Kanälen kursiert der Vorwurf, man habe im Winter zu spät nachverpflichtet. Die Statistik gibt den Kritikern recht: Seit 2020 verpflichtete der FCB nur zwei zusätzliche Innenverteidiger, obwohl in dieser Zeit neun Verletzungen länger als vier Wochen ausfielen. Sportchef Carlos Bernegger muss jetzt liefern – sonst droht ein Saisonfinale mit offenem Ende.

Die Sonne über dem Berner Oberland scheint bereits auf den Sonntag. Doch im Trainingslager in Münchenstein herrscht düstere Stimmung. Omeragic humpelt in die Kabine, die Physios schütteln den Kopf. Lichtsteiner blickt auf das Tablet, auf dem die Gegner-Analyse läuft. Er weiß: Er muss jetzt eine Lösung finden, die nicht nur Winterthur stoppt, sondern die Saison rettet. Die Uhr tickt – und mit jedem Schlag wird die Lücke in der Abwehr ein Stück größer.