Dsv-männer-team behält reiter und filbrich trotz medaillen-flaute
Kein Podest, kein Sieg, kein Aufschrei. Der Deutsche Skiverband verlängert das Trainer-Duo Tobias Reiter und Jens Filbrich – und schickt damit die Biathlon-Männer unverändert in eine Saison, die schon jetzt nach Reue riecht.
Warum zwei trainer ohne erfolg weitermachen dürfen
Felix Bitterling nennt es „Vertrauen und Ausdauer“. Die Zahlen nennen es 0 Podestplätze in 31 Weltcup-Rennen. Die Tabelle verrät: Deutschland ist zum ersten Mal seit 1991 ohne Einzelsieg durch den Winter gestolpert. Dennoch steht der 40-jährige Reiter weiter an der Bande, flankiert von Ex-Langläufer Filbrich, der seit 2023 die Lauf- und Schieß-Abteilung coacht. Begründung des DSV-Sportdirektors: „Viel Gutes passiert.“ Gemeint ist offenbar interne Statistik, Trainingsdaten, versteckte KPIs – nur nicht das, was am Ende zählt: Ergebnisse.
Die Logik hinter dem Personal-Besenkrieg bei den Frauen – Mehringer und Röiseland flogen raus – findet bei den Männern keine Anwendung. Dort wurde schon vor drei Monaten intern entschieden, dass Kontinuität wichtiger sei als Konsequenz. Der Verband fürchtet offenbar ein zweites Debakel, sollte ein neues Gesicht wieder bei Null anfangen. Doch das Risiko, mit denselben Köpfen dasselbe Loch zu graben, scheint in Kauf genommen.

Die stille nach dem katastrophen-winter
Sogar Olympia wurde zur Nebensache. Benedikt Döll schied als bester Deutscher auf Rang 14 der Verfolgung aus, Philipp Nawrath verpasste im Sprint knapp Bronze, die Staffel landete auf dem enttäuschenden fünften Platz. Die einst dominierende Skijäger-Nation schaut international auf die Rücklichter – und reagiert mit Stillhalt statt mit Schuldigen-Suche.
Reiter selbst sprach nach Oslo von „kleinen Schritten“. Tatsächlich aber sind es Mikrometer, während die Konkurrenz Meter macht. Norwegen holte 16 Podestplätze, Frankreich 14, selbst Italien überflügelte den DSV. Die Lücke zur Weltspitze wuchs auf rund drei Prozent Schieß- und zwei Prozent Laufvolumen – in einer Sportart, in der schon 0,1 Prozent über Erfolg oder K.o. entscheiden.

Der preis der kontinuität
Der DSV zahlt ihn viermal: mit verpassten Prämien, gesunkenem TV-Zuschauerinteresse, irritierten Sponsoren und – wichtiger – mit Talenten, die sich fragen, wann endlich wieder Angriff auf Edelmetall erlaubt ist. Die Verbandsführung wirbt intern mit „Prozess-Sicherheit“. Klingt nach Mittelstand, wirkt auf Athleten wie Stillstand.
Reiter und Filbrich bekommen nun die Saison 2024/25 als ultimative Prüfung. Dann müssen Podestplätze her, sonst reicht kein Argument. Die Zeitschaltung ist klar: Weltcup-Auftakt Ende November in Kontiolahti, WM Anfang März im tschechischen Nove Mesto. Bis dahin bleiben acht Monate, um aus Datenwolken endlich Ergebnisse zu destillieren.
Der deutsche Biathlon schlittert also unverändert weiter – mit denselben Gesichtern, denselben Problemen, nur mit mehr Druck. Die Medaillen sind weg, die Trainer bleiben. Am Ende zählt nur, ob die Schüsse treffen – und ob das Publikum noch mitzieht.
