Pogacar jagt das fünfte monument: wer stoppt den slowenen?
Mailand – Er zog den Reißverschluss der Milano-Sanremo auf und schlüpfte hinein wie in einen maßgeschneiderten Anzug. Jetzt will Tadej Pogacar das Unmögliche: alle fünf Monumente in einer Saison, plus Tour-Triumph Nummer fünf. Noch hat das kein Mensch geschafft.
Paris-roubaix ist das fehlende puzzle-teil
Die Hölle vom Norden gilt als rotes Tuch für Kletterer. Pogacar trainierte bereits auf den Kopfsteinen von Tábor, Videos zeigen ihn im Aero-Tuck mit 55 km/h über die Trouée d’Arenberg. „Er baut sich eine klassische Frühform auf, die sonst nur Peter Sagan kannte“, sagt UAE-Techniker José Acevedo. Ein Sieg am 12. April würde die logische Lücke schließen zwischen seiner Flandern-Dominanz und der Ardennen-Allianz.
Die Zahlen sind schon jetzt absurd: 62 Renntage seit Januar, 28 Siege, 1.430 Kilometer Solo-Fahrzeit. Die Konkurrenz schaltet auf Krisen-Modus. Remco Evenepoels Trainer richtete eine WhatsApp-Gruppe ein, in der nur ein Codewort erlaubt ist: „Bremsen“. Jumbo-Visma testet in der Windkanal eine neue Felge, die bei Seitenwind 8 Watt spart – für Roubaix, nicht für die Alpen.

Merckx, de vlaeminck, van looy – nur statisten in dieser oper
Sie alle haben die Monumente gesammelt, aber nie in einem einzigen Jahr. Merckx‘ 1972er-Saison gilt als Goldstandard, doch er verpasste Roubaix. Pogacar hingegen plant mit militärischer Präzision: Am Tag nach Lüttich verreist er nicht nach Hause, sondern in ein Hotel in der Nähe von Como, um sich auf Il Lombardia vorzubereiten. Kein Urlaub, keine Pressekonferenzen, nur Wattzahlen und Pasta.
Die UCI zittert. Eine perfekte Pogacar-Saison würde die Punkte-Wertung ad absurdum führen: Er bräuchte nur fünf Starts, um die Weltrangliste anzuführen. Die Rundfunkanstalten bereiten bereits Sonderprogramme vor: ARD kaufte Rechte an Roubaix, RAI sicherte sich die Liege-Reklame, Eurosport buchte einen Slowenisch-Dolmetscher für Oktober. Die Sportart verwandelt sich in eine Ein-Mann-Show – und niemand schaltet ab.
Am Ende bleibt eine Frage: Was folgt auf das Unmögliche? Pogacars Antwort ist ein leises Zucken mit den Schultern. „Wenn du einmal alle Monumente hast, zählst du eben die Tage bis zum nächsten Frühjahr.“ Die Uhr tickt. Paris-Roubaix rückt näher. Und die Kopfsteinpflaster lachen noch nicht zurück – sie warten nur darauf, dass der Slowene sie endlich leise macht.
