Rahmen flippt aus: winterthur verschenkt die rettung

Patrick Rahmen schlägt mit der flachen Hand auf das Mikro, sein Blick ist glasig vor Wut. „Ein Witz, was wir da abziehen“, donnert der Trainer des FC Winterthur und wirft seiner Mannschaft vor, die eigene Saison zu verspielen. 0:2 gegen Basel, obwohl die Eulachstädter 73 Prozent der Zeit den Ball kontrollierten – das ist keine Niederlage, das ist ein Selbstbiss.

Die statistik lügt nicht, aber sie frustrift

Elf Torchancen, 1,9 xGoals, zwei Pfosten – und trotzdem steht am Ende eine Null, die in der Tabelle wie ein Schrei klingt. „Wir spielen uns in den Wahnsinn“, sagt Rahmen und meint damit nicht nur das Spiel, sondern die ganze zweite Saisonhälfte. Seit acht Partien wartet Winterthur auf einen Dreier, seit acht Partien probieren sie es mit dem gleichen Rezept: kombinieren, kombinieren, kombinieren – vergessen zu treffen.

Der Knacks kommt zur Unzeit. Grasshopper verliert in Genf 0:5, Servette schenkt den Zürchern eine Packung ein, und Winterthur? Winterthur schaut zu. Statt den Rückstand auf den direkten Konkurrenten auf zwei Punkte zu drosseln, bleibt die Lücke bei fünf Zählern. „Klar haben wir das Resultat registriert“, sagt Rahmen mit einem trockenen Lachen, „nur bringt mir das nichts, wenn wir selbst nicht gewinnen.“

Die angst vor dem déjà-vu

Die angst vor dem déjà-vu

Im Klubbüro sprechen sie leise über das Jahr 2023, als Winterthur im letzten Moment noch die Katastrophe abwenden konnte. Doch diese Erinnerung wirft lange Schatten. „Manche denken, das Wunder wiederholt sich einfach so“, sagt Rahmen und schüttelt den Kopf. „Aber die Liga ist kein Wunschkonzert.“ Seine Stimme bricht, dann kommt der Satz, der bis in die Kabine vordringt: „Wer nicht trifft, fliegt raus.“

Nächste Woche geht’s nach Lausanne, das Team aus dem Waadtland hat seit fünf Spielen nicht mehr gewonnen – eine scheinbare Giftmischung. Danach folgt das Duell gegen Grasshopper im eigenen Stadion, ein Sechs-Punkte-Krimi, der schon vor dem Anpfiff nach Abstieg und Rettung riechen wird. „Wir können noch immer die Kurve kriegen“, sagt Rahmen, aber er klingt nicht wie jemand, der daran glaubt, sondern wie jemand, der sich an die eigene Nase fassen muss.

Die Uhr tickt. Noch acht Partien, dann entscheidet sich, wer in die neue Super League startet und wer im Play-out-Modus verschwindet. Winterthur hat die bessere Mannschaft, aber das war’s auch schon. Die Liga schaut nicht auf Ballbesitz, sie schaut auf Tore. Und die fehlen, Woche für Woche, wie ein Gedicht ohne Reim.

Am Samstagabend verlässt Rahmen das Stadion mit hängenden Schultern. Hinter ihm jubeln Basler Fans, vor ihm wartet die kalte Realität. Wer nicht trifft, der fliegt – das ist kein Fluch, das ist Mathematik. Und die Rechnung geht gerade nicht auf.