Doorsoun zurück in wolfsburg: pokal-k.o. oder eintracht-trauma?
Sara Doorsoun steht wieder im AOK-Stadion, doch diesmal trägt sie Schwarz-Rot-Weiß. Der Pokal-Viertelfinal-Kracher gegen den VfL Wolfsburg ist für die 34-Jährige kein Sentimental-Trip, sondern Geschäftsreise mit Handschlag an alte Teamkolleginnen und Faustschlag auf dem Platz. „Ich will zurück nach Köln – ins Finale“, sagt sie knapp. Geboren in der Domstadt, weiß sie: Wer im Mai dort aufläuft, hat entweder gewonnen oder verloren.

Die eintracht hat den favoriten-status längst internalisiert
Niko Arnautis redet nicht mehr drum herum. Drei Wettbewerbe, Platz drei in der Liga, zwei bittere Pokal-Ausscheidungen zuvor durch Elfmeter und Verlängerung – die Statistik nagt an der Geduld. „Wir haben die Reife dafür“, sagt er und meint damit nicht nur die defensive Stabilität, sondern auch die Torgefahr von Jónsdóttir und Krumbiegel, die nach Länderspiel-Pause frisch gedopt aus Fernost zurückflogen. Wolfsburg ist zwar Tabellenzweiter, doch das 3:2 aus Frankfurt steht in den Köpfen. Keine Mannschaft traut sich mehr etwas zu, außer dieser hier.
Die Wölfinnen wiederum müssen auf Lena Oberdorf verzichten – Kreuzband, Saison aus. Ein Loch, das sich nicht mit Sportdirektorin Babett Peters Selbstbewusstsein füllen lässt. Peter hatte beim Amtsantritt angekündigt, „zwei neue Pokale“ zu holen. Die Formulierung klang nach PR, ist aber intern bereits Staff-Meeting-Titel. Wer in Frankfurt arbeitet, kennt die neue Erwartungshaltung: Kein Halbfinale ist mehr genug.
Der Kick um 18.30 Uhr wird live im HR-Fernsehen übertragen, die Quote dürfte springen. Denn neben dem Fußball steckt ein kleines Stück Identitätspolitik im Spiel: Doorsoun gegen Popp, nationale Klassiker-Story gegen modernen Club. Wer gewinnt, fährt nicht nur nach Köln – er schickt ein Signal an Bayern und Co.
Letzte Saison endete der Traum an den Münchnerinnen, diesmal soll Schluss sein mit dem Pokal-Blues. Die Eintracht-Frauen haben 17 Pflichtspiele ohne Niederlage, die längste Serie seit 2008. Zahlen allein siegen keine Spiele, aber sie erzeugen Druck. Und Druck verwandelt sich um 20.15 Uhr entweder in Jubel oder in die nächste Randale der Enttäuschung. Für Doorsoun ist klar: „Entweder wir, oder niemand.“
