Di francesco zieht die notbremse: bologna wird zur schicksalsprüfung
Eusebio Di Francesco redet sich den Frust von der Seele, und dabei klingt jedes Wort wie ein Appell ans eigene Team. Vor dem Auswärtsspiel bei Bologna fordert der US-Lecce-Coach nichts weniger als eine „Rückkehr zum Gesicht der ersten 25 Minuten gegen Atalanta“ – jener kurzen Phase, in der sein Klub zuletzt wie ein europäischer Topklub aussah, bevor alles zerbröselte.
Warum bologna eine falle ist
Die Zahlen lügen nicht: Bologna gewann 2025 bereits acht Heimspiele in Serie, die letzte Niederlage datiert vom 3. November. Di Francesco spuckt die Namen der Gegner aus wie Gift: Orsolini, Cambiaghi, Rowe, Bernardeschi – ein Quartett, das selbst bei Rotation Tore per Knopfdruck produziert. „Wenn wir ihnen die Außenbahn überlassen, werden sie uns isolieren und abschießen. Punkt.“
Sein Kader ist angeschlagen. Coulibaly trainiert zwar durchgehend, aber Gandelman muss nach jedem harten Tag eine Pause einlegen – ein perpetuierlicher Auf und Ab der Schmerzen. Gallo steckte gerade mal 25 Minuten im Mannschaftsteil mit, wird aber reisen. „Er wird sitzen, springen oder spielen – Hauptsache er ist an Bord“, sagt Di Francesco mit der Stimme eines Mannes, der schon zu viele Räder selbst flicken musste.

Die zweite halbzeit gegen atalanta ist ihm nicht verziehen
„Wir haben den Gegner die ersten 25 Minuten nicht einmal bis 16 Meter kommen lassen“, wiederholt er wie ein Mantra. Dann folgt der Seitenwechsel, und Lecce verwandelt sich in eine U-Bahn ohne Bremsen: 0,78 erwartete Tore kassiert in 45 Minuten, nur drei Ballgewinne im letzten Drittel. „Das ist keine Formfrage, das ist Kopfsache“, knurrt er. „Wenn wir Bologna dieselben Räume bieten, fliegen wir unter die Abstiegszone zurück.“
Die Kurve wischt ihm diese Brutalität nicht ab. „Beim zweiten Fehlpass wird schon gemurmelt, beim dritten gepfiffen. Die Jungs sind 20, 21 – die brauchen kein Pfeifkonzert, sondern eine Schulter.“ Deshalb verbannte er intern die Begriffe „Risiko“ und „Fehler“ aus der Videoanalyse. Stattdessen: „Wie schaffen wir die zweite Pressinglinie neu?“ Antwort: Mehr Fofana – trotz seiner Ballverluste. „Er lief 32 Sprints über 30 km/h, niemand sonst im Kader kommt ran. Mit ihm haben wir die Balance, ohne ihn verlieren wir die Distanzen.“

Camarda, marchwinski, sala – die zukunft wartet, aber nicht lange
Der 17-jährige Camarda wurde nach seiner Schulter-OP monatelang runtergeschrieben, doch Di Francesco holt ihn zurück ins Narrativ: „Er traf gegen Bologna in der Hinrunde. Wer behauptet, er hätte kaum gespielt, soll seinen Medizinbogen lesen.“ Eine Seitenhieb gegen alle Twitter-Scouts, die Meisterspielern eine Einsatzminuten-Statistik unter die Nase reiben.
Marchwinski trainiert jetzt ohne Limits, aber der Coach bremst: „Ich brauche in Renzaglia-Liga keine Experimente, ich brauche Punkte.“ Gleiches gilt für Sala, der „die Phase erreicht, in der ein Spieler entweder durch die Decke geht oder stagniert“. Di Francesco will die „alte Lecce-Maschine“ wieder sehen, jene, die vor der Atalanta-Pleite sieben Spiele ungeschlagen blieb. „Wenn wir das wiederbeleben, können wir auch in Bologna jubeln. Wenn nicht, wird es eng – sehr eng.“
Die Rechnung ist simpel: Ein Punkt reicht nicht, um die Abstiegsränge zu verlassen. Drei Punkte würden Lecce auf Platz 13 katapultieren – und Di Francesco endlich wieder durchatmen lassen.
