Dfb startet eigenen streaming-kanal: 5,99 euro für jungstars, futsal und nagelmann-live

Der Deutsche Fußball-Bund schaltet morgen um 18:00 Uhr seinen eigenen Sender. DFB.TV spielt nicht das, was ohnehin schon überall läuft – sondern das, was bisher zwischen den Kanälen verloren ging.

Die Idee klingt simpel: Statt Fragmente auf YouTube, ARD-Mediathek und Co. zu verstecken, packt der Verband alles in eine App. Preis: 5,99 Euro monatlich, 59,99 Euro jährlich. Wer Sky oder DAZN ohnehin bezahlt, bekommt das Paket obendrauf – ohne Extrakosten.

Was ab freitag wirklich läuft

Live dabei: die U17-Nationalmannschaft beim Turnier in Spanien, die 2. Frauen-Bundesliga (komplett), der Finaltag der Amateure samstags um 14:30 Uhr, Futsal-Länderspiele, Beachsoccer-EM-Quali und der DFB-ePokal mit FIFA-Pros wie Umut und Eligella. Dazu: Nagelsmanns Pressekonferenzen aus dem WM-Camp, ungeschnitten, ohne 90-Sekunden-Zusammenschnitt. „Wir zeigen, wie Talente wirklich arbeiten“, sagt Holger Blask, DFB-Generalsekretär und Geschäftsführer der DFB GmbH & Co. KG.

Ein Beispiel: Die Dokureihe „Zwischen Anpfiff und Achtung“ begleitet Schiedsrichter-Assistentinnen in der 3. Liga – mit Mikrofon auf dem Trikot. Man hört, wie sich Profis beschweren, wie Trainer fluchen, wie die VAR-Leitung einmischt. Bisher landeten diese Mitschnitte auf irgendeiner Festplatte in Frankfurt.

Warum der dfb jetzt zahlt

Warum der dfb jetzt zahlt

Der Verband spürt den Druck der DFL, die mit One bereits erfolgreich ist. Interne Marktforschung ergab: 73 % der 14- bis 29-Jährigen würden für Content über Nachwuchsteams zahlen – wenn sie ihn finden. „Wir haben die Inhalte, aber wir haben sie nie gebündelt“, räumt Blask ein. Die Lizenzrechte für 2. Frauen-Bundesliga und Junioren-Bundesliga lagen bei der DFL, laufen aber 2026 aus. Der DFB sicherte sich die Exklusivrechte frühzeitig, um sie nicht wieder an die Konkurrenz zu verscherbeln.

Technisch liefert die Sportainment Media Group das Backend – das gleiche Team, das schon die Handball-Bundesliga ins Netz brachte. 4K-Stream, Multicam-Ebene, englische Zweittonspur für internationale Fans. Geplant sind 1.200 Livestunden im ersten Jahr, plus 300 Stunden Dokumentation.

Die Rechnung des Verbands: 100.000 Abonnenten decken die Produktionskosten. Alles darüber sei Gewinn – und fließt laut Blask direkt in die Talentförderung. Klingt nach PR-Sprech, aber die Zahlen stimmen: Ein Jahresabo finanziert ein 4-Wochen-Camp für eine U15-Auswahl in Spanien.

Los geht’s am Freitagabend mit der Dokumentation „36 Stunden Pokalfinale“ – Kamerafahrten aus dem Bayern-Teambus, Nagelsmanns Ansprache im Berliner Hotel, die Kabinenpredigt von Sebastian Hoeneß. Am Samstag, eine Stunde vor Anpfiff, schaltet DFB.TV zusätzlich auf dem Alexanderplatz auf – Großbildleinwand, kostenloser Stream für alle.

Ob sich das Modell rechnet, zeigt sich spätestens beim Confed-Cup 2027. Bis dahin gilt: Wer Jungstars, Frauenfußball und Schiri-Alltag sehen will, zahlt nun direkt an den Verband – statt an Streaming-Giganten. Der DFB holt sich das Heft zurück. Und die Fans entscheiden, ob sie mitgehen.