Der beste deutsche rechtsaußen sitzt zu hause – während die wm vor der tür steht

Kai Häfner ist im Winter 2025 der statistisch stärkste deutsche Rechtsaußen der Liga – und trotzdem nicht mal Ersatz im Nationalteam. Die Verantwortlichen schweigen. Die Fans rufen. Die Heim-WM rückt näher. Ein Skandal in Zeitluft.

Die zahlen lügen nicht – und die zahlen sind brutal

18 Treffer im ersten Drittel der Saison, 72-prozentige Wurfquote, sieben Siebenmeter verwandelt, kein einzler technischer Fehler im Schnellangriff. Das ist keine Momentaufnahme, das ist ein Auswertungsbogen, wie ihn selbst Uscins nicht vorweisen kann. Stuttgart gewinnt mit ihm die Spiele, in denen er mehr als sieben Tore wirft, ist das Team plötzlich ein Top-Four-Kandidat. Der 36-Jährige rennt nicht nur gegen die Uhr, er rennt gegen das Narrativ, dass Handball ein Sport für Zwanzigjährige sei.

Was niemand auf der Zunge trägt: Häfner ist nicht irgendwer. Er ist der letzte Spieler, der mit der DHB-Ausrichtung noch eine Medaille geholt hat – Silber 2024. Er kennt Druck, kennt Kiel, kennt Zagreb, kennt Paris. Und er kennt sich selbst. Als er im Sommer seinen Rücktritt erklärte, sagte er: „Ich will nicht länger Kompromisse.“ Was damals wie ein Ende klang, wirkt heute wie ein Angebot.

Alfred gislason schaut weg – und das wird teuer

Alfred gislason schaut weg – und das wird teuer

Der Isländer hat seit Amtsantritt zwei Konstanten: Er liebt junge, explosive Außen, und er hasst Rückzieher. Häfner aber ist kein Rückzieher, er ist ein Rohdiamant, den man nur polieren muss. Gislason weiß das, er weiß auch, dass Uscins’ Sprunggelenk seit der EM fragil ist und Semper in Topspielen noch keine 60 Minuten durchgestanden hat. Trotzdem bleibt die Antwort des Bundestrainers auf jede Häfner-Frage ein „Wir schauen nach vorn“. Das klingt nach Strategie, ist in Wahrheit Angst vor dem eigenen Fanlager.

Die Logistik wäre denkbar simpel: Ein Kurzvertrag bis Ende Januar, zwei Vorbereitungswochen in Mannheim, ein Kaderplatz statt eines Feldspielers, der in Kiel auf der Bank vergammelt. Die DHB-Bosse reden von „Konsequenz“, meinen aber „Bequemlichkeit“. Denn wenn Häfner kommt, müssen sie erklären, warum sie ihn zuvor ignoriert haben. Das ist Politik, nicht Sport.

Die heim-wm als scherbenhaufen?

Die heim-wm als scherbenhaufen?

Deutschland trifft im Januar auf Schweden, Frankreich und Brasilien – alles Teams, die Rechtsaußen mit NFL-Format auflaufen lassen. Ein einzlicher schlechter Tag von Uscins, und das Turnier ist vorbei. Die Verbandsstatistik zeigt: In den letzten zehn Jahren schied der DHB immer dann vor dem Halbfinale aus, wenn die rechte Seite unter 55 % Wurfquote blieb. Häfner bringt momentan 72 %. Das ist kein Luxus, das ist Brandschutz.

Und dann ist da noch die Stimmung in den Hallen. Die Tickets für Köln und Düsseldorf sind ausverkauft, das zahlt sich nur, wenn die Mannschaft mithält. Die Marketingabteilung der DHB-Sponsor GmbH bastelt bereits an Plakaten mit Uscins’ Gesicht. Was niemand wagt zu fragen: Was, wenn er ausfällt? Dann steht da ein riesiges Loch – und ein 36-jähriger Rechtsaußen, der gerade gegen Kiel sieben Tore in Serie warf, sitzt vor dem Fernseher.

Die uhr tickt lauter als der verband zugeben will

Die uhr tickt lauter als der verband zugeben will

Noch 61 Tage bis zum Eröffnungsspiel. In dieser Zeit kann Gislason testen, werfen, probieren. Oder er kann einen Anruf machen, den er seit Oktober vor sich herschiebt. Häfner selbst schweigt öffentlich, aber in der Kabine von Stuttgart sagt er zu Teamkameraden: „Wenn sie anrufen, bin ich in 48 Stunden bereit.“ Keine Forderungen, keine Extrawürste. Nur die Erkenntnis, dass Sport nicht linear ist – und dass manche Karrieren zwei Finale haben.

Die Entscheidung liegt beim Verband. Aber die Rechnung ist einfach: Wer die beste Leistung hat, muss spielen. Wer nicht spielt, muss sich fragen lassen, warum. Und wer sich diese Frage nicht stellt, der wird sie sich am 23. Januar stellen – wenn in der Lanxess-Arena die Schweden davonlaufen und die deutsche rechte Seite den Ball nicht im Tor unterbringt. Dann wird nicht mehr gefragt, ob Häfner noch kann. Dann wird gefragt, warum er nie durfte.