David navarro packt aus: die ronaldo-ellbogen-attacke war kein zufall
Ein einziger Ellbogen, ein blutender Superstar – und ein Spaniender, der sich heute für nichts entschuldigt. David Navarro, 45, Ex-Levante-Verteidiger, hat 13 Jahre danach die gängige Version korrigiert: Die berüchtigte Attacke gegen Cristiano Ronaldo war keine Glanznummer böser Absicht, aber eben auch kein bloßes Versehen.
Navarro zieht bilanz: „fast landete ich im gefängnis“
Es passierte am 9. März 2013 im Ciutat de València. Dritte Spielminute, Standardsituation, beide Springer stürzen nach einem langen Ball. Navarro reckt den Arm, trifft Ronaldo an der Stirn – Blut, Gelb-Rot, Mediensturm. „Die Bilder gingen um die Welt, und in Madrid forderten sie meinen Kopf“, sagt er im Gespräch mit der spanischen Radiosender-Kette Cadena SER. „Ein paar Zeitungen schrieben, ich solle ins Gefängnis. Für einen Ellbogen!“
Was die Kameras nicht lieferten: Navarro und CR7 lagen sich Sekunden vor dem Kontakt in einem engen Zweikampf, beide mit erhobenen Armen. „Ich schaue den Ball, springe, spüre einen Stoß – und plötzlich rot“, erzählt er. „Erst auf der Tribüne begriff ich, dass Ronaldo blutet. Dachte sofort: ‚Jetzt wird’s richtig ungemütlich.‘“

Die angst vor dem karriereende
Der Verband sperrte ihn für vier Spiele, die Boulevardpresse forderte eine Sperre bis 2020. Sponsoren drohten mit Vertragsauflösung, Fans mit Morddrohungen. „Ich war 33, hatte gerade meinen letzten Zweijahresvertrag unterschrieben. Die Karriere war in zehn Tagen kaputt – das war meine reale Befürchtung“, gibt Navarro zu.
Stattdessen kehrte er nach seiner Sperre zurück, avancierte beim Levante zur Führungsfigur und beendete 2018 mit 38 Jahren seine Laufbahn. Ronaldo? Der schoss in der Rückrunde Doppelpack gegen Levante, verzichtete aber auf jede Rache. „Er hat mich nach dem Spiel in der Kabelline angerempelt und gefragt, ob alles okay sei. Kein Drama, nur ein bisschen Blut“, schmunzelt Navarro.

Warum er heute wieder spricht
Der ehemalige Defensivmann arbeitet heute als Scout für Mallorca, gibt Jugendkurs in Taktik. „Ich will den Jungs zeigen: Du kannst Fehler machen, aber du musst ihnen nicht nachtrauern. Der Sport vergisst schnell, wenn du mit offenem Visier zurückkommst.“
Und Ronaldo? Der hat die Szene längst zu einer Anekdote degradiert. Navarro lässt seinen Bildschirm herumreichen, darauf ein Foto: Er und Ronaldo, 2016 beim FIFA-Gala-Dinner, lachend mit Arm um die Schulter. „Das ist mein Beweis: Fußball ist ein Kontaktsport, aber kein Krieg. Und manchmal reicht ein Ellbogen, um zwei Karrieren kurz aufzurütteln – dann wieder weiterzugehen.“
