Dabrowski platzt nach 1:3 gegen aachen der kragen: „das holt uns wieder ein“
14. Niederlage, 46. Gegentor, eine Saison wie ein offener Wundbrand. Christoph Dabrowski stand vor den Mikrofonen von MagentaSport und sein Gesicht war eine einzige Frage: Wie kann das passieren?
Erzgebirge Aue kassierte am Samstag gegen Alemannia Aachen ein 1:3, das nicht einmal die Statistik erschüttert – aber die Seele. Der Veilchen-Coach suchte Worte, fand nur Verzweiflung. „In der ersten Halbzeit hätten wir in Führung gehen können“, sagte er und seine Stimme brach. Dann kam das Gammeltor. Danach war nichts mehr wie vorher.
Ein rucksack voller panik
Der Ball kullerte über die Linie, als hätte jemand die Handbremse angezogen. Dabrowski wischte sich durch das kurze Haar, sein Blick irrte über den Rasen. „Ich weiß nicht, wie das möglich ist“, murmelte er. Die Mannschaft trug plötzlich einen Rucksack voller Angst. Die Leichtigkeit war weg, die Laufwege wurden enger, die Pässe kürzer, die Köpfe tiefer.
Die Zahlen sind gnadenlos: 46 Gegentore nach 27 Spieltagen, kein Klub in Liga drei kassierte mehr. Die Realität, so Dabrowski, „holt uns in jedem Spiel wieder ein“. Er sprach von breiter Brust, aber seine Schultern zuckten. Es klang wie ein Gebet, nicht wie eine Taktik.

Jannic ehlers: „mir geht es beschissen“
In der Kabine schlug Jannic Ehlers mit der Faust gegen sein Schließfach. Der Stürmer, 23 Jahre alt, einst Hoffnungsträger, jetzt Realist. „Aufgeben ist keine Option“, sagte er, aber seine Augen waren rot. Der Anschlusstreffer nach der Pause hatte die Kurve zum Kochen gebracht, doch das Feuer verlosch im nächsten Konter. „Das bricht uns das Genick“, sagte Ehlers und seine Stimme zitterte.
Die Fans sangen noch fünf Minuten nach Abpfiff, dann wurde es still. Die Mannschaft verließ unter Polizeibegleitung das Feld. Kindergesichter hielten sich die Ohren zu, ein Mann in Veilchen-Parka spuckte auf den Boden. „Nächstes Mal“, rief jemand, aber es klang wie ein Satz aus einer anderen Zeit.

Letztes drittel ohne netz
Nun steht das letzte Drittel der Saison an, neun Spiele, theoretisch 27 Punkte. Die Luft zwischen Aue und dem rettenden Ufer ist bereits ein Ozean. Dabrowski weiß das. Trotzdem verlangt er Disziplin, „nichts herzuschenken“. Es ist die Sprache eines Mannes, der schon mit dem Rücken zur Wand steht und trotzdem noch einmal anläuft.
Am Dienstag wartet Viktoria Köln, dann kommt Unterhaching. Die Gegner riechen Blut. Für Aue geht es nicht mehr um Tabellenplätze, sondern um Würde. Die Mannschaft wird wieder mit breiter Brust auftreten, wie der Coach es will. Ob das reicht, die Saison zu retten, weiß niemand. Die Realität hat ihre eigenen Regeln. Und die lautet: Wer zu viele Tore kassiert, fliegt irgendwann raus. Punkt.
