Courchevel wartet: odermatt kann schon wieder geschichte schreiben

Marco Odermatt reist nicht irgendwo ins Weltcup-Geschehen, er kehrt nach Courchevel zurück – an den Ort, an dem er die grössten Triumphe seiner Karriere gefeiert hat. Bereits am Freitag könnte er sich in der Abfahrt die nächste kleine Kristallkugel sichern. Ein zehnter Rang genügt. Die Devise lautet: Ankommen, durchstarten, Geschichte wiederholen.

Courchevel ist sein revier – und das seit 2022

Die Zahlen sind schonungslos. Seit dem Finale 2022 stand Odermatt fünf Mal auf dem Podest in Courchevel: zweimal Gold bei der WM 2023, dazu Gesamtweltcup und Riesenslalom-Weltcup. Dazwischen: Silber in Abfahrt und Super-G. Die Piste „Les Suisses“ könnte auch gut „Odermatt“ heissen. Er kennt jede Bodenwelle, jede Neigung, das Gefühl, wie sich die Kälte hier durch die Skihose friert. Für die Konkurrenz ist das ein psychologischer Nachteil, ein Déjà-vu mit Vorzeichen „unerreichbar“.

Doch diesmal geht es nicht nur um Prestige, sondern um Zementierung. Mit 598 Punkten Vorsprung auf Luca Pinheiro Braathen ist der Gesamtweltcup so gut wie entschieden. Der Super-G-Wettkampf ist offener, aber selbst dort beträgt sein Polster 158 Zähler auf Vincent Kriechmayr. Drei Rennen sind noch zu fahren. Die Kugel kann rollen, sie wird kaum noch zu stoppen sein.

Die schweizer armada folgt ihrem anführer

Die schweizer armada folgt ihrem anführer

Odermatt ist kein Einzelkämpfer. Loïc Meillard, Gino Caviezel, Beat Feuz – alle standen sie in Courchevel schon auf dem Podest. Das verschafft der Equipe Selbstvertrauen, schafft eine Erfolgsspirale, die selbst das bekannte Skilegende Ingemar Stenmark 1979 noch spüren musste, als Peter Lüscher Zweiter wurde. Die Botschaft ist klar: Wer hier fährt, fährt nach vorn.

Die Strecke selbst verzeiht keine Fehler. Steil, technisch, eisig. Fahrer, die zu spät in die Rhythmus-Sektion einsteigen, werden abgestraft. Odermatt aber hat hier gelernt, dass Risiko kein Zufall ist, sondern Plan. Seine Linienwahl in den WM-Läufen war so präzise, dass selbst die Coaches der Konkurrenz die Videoanalysen studierten wie angehende Ingenieure einen Brückenbauplan.

Die entscheidungen fallen bereits an diesem wochenende

Die entscheidungen fallen bereits an diesem wochenende

Freitag Abfahrt, Samstag und Sonntag Super-G. Drei Tage, drei Rennen, drei mögliche Kristallkugeln. Die FIS hat den Terminkalender zugunsten spektakulärer Endspiele verdichtet. Die Zuschauer in Courchevel werden Zeugen eines möglichen Triple-Crowns. Die Schweizer Delegation reiste mit Extragepäck an – leer, damit die Trophäen Platz haben.

Die interne Konkurrentur durch Justin Murisier oder Alexis Monney bleibt spürbar. Doch die internen Qualifikationskämpfe wirken wie ein Luxusproblem. Odermatt bestimmt das Tempo, die anderen versuchen, mitzuziehen. Wer mit ihm trainiert, lernt, dass Spitzenleistung kein Talent, sondern ein Alltag ist.

Wenn am Sonntagabend die letzte Kerze auf der Siegertribüne erlischt, könnte Odermatt drei weitere Kugeln im Gepäck haben. Die Saison wäre vorzeitig gelaufen. Die Konkurrenz hätte neue Hausaufgaben. Und Courchevel? Würde endgültig als sein Wohnzimmer gelten. Manchmal genügt ein Blick auf die Startliste, um zu wissen, wer das Rennen gewinnt. In diesem Fall reicht schon der Blick auf den Austragungsort.