Cottbus jage ulm mit dem dolch zwischen den zähnen

Die Lausitzer Arena kocht. Kein Spieltagsnormalität, sondern ein Aufstiegsglaube, der nach der 1:4-Demütigung von Aachen nur noch mit Siegen gestillt wird. Um 14 Uhr empfängt Energie Cottbus den SSV Ulm – und die rote Laterne der Gäste ist kein Trost, sondern Brandbeschleuniger.

Wollitz warnt vor dem selbstbetrug

Claus-Dieter Wollitz stampft am Spielfeldrand, als wolle er den Rasen schon vor Anpfiff bearbeiten. „Neun Punkte Rückstand hin oder her – Ulm spielt für die Ehre“, donnert er in die Mikrofone. Das ist keine Phrase, sondern Arbeitsanweisung. Seine Elf hat in den letzten drei Heimspielen zweimal remisiert, das Tempo stieg nur in Pausen, nicht in Passfolgen. Dagegen wirkt Tolcay Cigerci wie ein Boxer, der nach jeder Flanke noch einmal nachsetzt: 7 Vorlagen, 4 Tore – beste Offensivbilanz im Kader. Heute soll die rechte Seite sein Privatparkour werden.

Der Blick auf die Tabelle brennt. Rostock gewann gestern in Wiesbaden, Essen, Verl und Duisburg lauern zwei Punkte dahinter. Verliert Cottbus, rutscht es bis auf Rang sechs – die direkte Rückkehr in die dritte Liga wäre fernes Fieber. Die Statistik lügt nicht: Gegen Abstiegskandidaten gewann Energie in dieser Saison erst einmal – 2:0 gegen Mannheim im Oktober. Seitdem drei Remis, eine Niederlage. Da ist Platz zwei kein Naturgesetz, sondern ein Leihgut mit Verfallsdatum.

Ulms notstand ist kein geschenk

Ulms notstand ist kein geschenk

Die Schwaben flogen dreimal in Folge raus, kassierten sieben Gegentore in 180 Minuten. Torjäger Röser traf zuletzt vor acht Spielen, Dressel läuft mit Schienbeinschoner, nicht mit Siegeswille. Trotzdem: In der Fremde holte Ulm acht Punkte – mehr als Cottbus in den letzten fünf Heimspielen. Wer glaubt, das sei ein Spaziergang, unterschätzt den Adrenalinstoß des Unterlegenen.

Die Tribüne ist seit 11 Uhr offen, Dauerkarten stehen im Block C wie rote Fahnen. 13.400 Tickets weg, Restplätze nur an der Abendkasse. Das Stadion summt schon, als wäre das 90. Minute. Die Spieler wissen: Wer heute zittert, spielt morgen in der Regionalliga. Die Lausitzer haben 90 Minuten, um den Frust von Aachen zu versieben und den Traum vom Aufstieg wieder in die eigene Hand zu nehmen. Keine Übung, kein Test. Ein Endspiel im März – das ist der Sport, den wir lieben.