Pirovano raubt aicher die kristallkugel – und das mit einem drei-pakt
Laura Pirovano hat in einer Woche drei Mal gewonnen – und damit Emma Aicher die kleine Kugel geklaut. 83 Punkte fehlten am Ende, ein Riesenriss in einer Saison, die für die 22-jährige DSV-Sprinterin bis zuletzt nach Gold aussah.
Die Italienerin, vor vierzehn Tagen noch ein Phantom ohne Podestplatz, schraubte sich in Soldeu mit Startnummer 15 an die Spitze und ließ selbst Olympiasiegerin Breezy Johnson 0,15 Sekunden zurück. Kira Weidle-Winkelmann wurde Dritte – ihr drittes Top-3-Finish in Serie, doch der Jubel blieb aus. „Ich verlier oben einfach sau viel Zeit“, fluchte sie ins ZDF-Mikro. Der vierte Platz in der Abfahrtswertung nagt.
Aicher nimmt's mit humor – und einem blick nach vorn
Die Gewinnerin des Tages gratulierte sofort. „Wenn jemand drei Rennen in Folge gewinnt, ist die Kugel nicht gestohlen – sie ist geschenkt“, sagte Aicher, noch im Zielraum, noch mit Zitterkiefer. Die Zahlen sprechen trotzdem für sie: Vor zwölf Monaten war sie Weltcup-Null, jetzt Zweite der Disziplin und nur 95 Punkte hinter Mikaela Shiffrin im Gesamtklassement. Das Super-G am Sonntag könnte die Lücke weiter schmelzen – vorausgesetzt, Shiffrin tanzt mit.
Der Dreiklang aus Pirovano-Johnson-Weidle ist kein Zufall. Die Pistenoffensive der letzten Tage hat die Kräfteverhältnisse neu gemischt: Wer oben aggressiv in die Flachpassagen ritt, konnte die Siegesserie der Italienerin nicht stoppen. Aicher rutschte in der Zwischenzeit auf Rang fünf, weil sie im Mittelstück Tempo rausnahm – eine bewusste Risikobremse, wie sie später einräumte. „Ich wollte nicht mit dem Gesamtcup ins Kleeblatt fahren.“

Weidle ärgert sich über millisekunden – und über sich selbst
Kira Weidle-Winkelmann atmete tief durch, als die rote Laterne aufleuchtete. 0,25 Sekunden – ein Handspannenbreit auf 2,7 Kilometern. „Da hab ich mir selbst den Spaß verdorben.“ Der Sprung von Platz vier auf drei im Rennen hätte sie in der Abfahrtswertung auf Rang zwei katapultiert. Jetzt blickt sie auf Platz vier zurück – und auf eine Saison, die trotzdem ihre beste bleibt. „Aber hey, wir haben Olympia-Silber in der Kombi“, warf Aicher ein. Team statt Ego, lautet die Devise.
Die Gesamtwertung? Offen wie selten. Shiffrin muss morgen im Super-G starten, um ihre 95-Punkte-Polster zu verteidigen. Aicher braucht einen Sieg und einen Shiffrin-Aussetzer – ein Szenario, das selbst im Skizirkus als Lotterie gilt. Aber wer drei Wochen zuvor noch als Außenseiterin durch die Ziellinie raste, darf weiter träumen. Die große Kugel ist nicht weg, sie steht nur woanders.
Laura Pirovano feierte im Ziel mit der italienischen Fahne, als hätte sie die WM gewonnen. Für sie beginnt die Saison jetzt erst – für Aicher endet eine, die sie von Null auf 380 Weltcup-Punkte katapultierte. „Vor einem Jahr war ich ein Tweet, heute bin ich ein Thema“, sagte sie lachend. Die Kugel ist rot, die Zukunft golden – und die nächste Abfahrt kommt ohnehin im November.
