Como steht vor europacup-traum – das stadion droht alles zu zerstören
Der Como kann die Champions League erreichen – und müsste dann außerhalb von Como spielen. Das klingt wie ein schlechter Witz, ist aber Realität beim Klub von Cesc Fàbregas.
Der sinigaglia ist ein juwel aus 1927 – und genau das ist das problem
Die Kurve der Ultras steht auf Gerüsten, die Vip-Tribüne hat keine 100 Sessel, die Pressezone ist ein Umkleidekabuff. Die UEFA will 8.000 fest verankerte Sitze, 100 Ehrenplätze und 150 VIP-Parkplätze. Vorhanden: null. Die Stadtverwaltung erklärt das denkmalgeschützte Areal zur unantastbaren Zone. Jeder Bohrer braucht ein Kulturamt-Votum.
Der Plan: Abriss und Neuaufbau in 120 Tagen, Start Juni, Fertigkeit August. Bauunternehmer lachen sich schlapp. „Dafür braucht man zweimal den Sommer“, sagt einer, der das Mailänder Meazza sanierte. Die Alternative heißt „Mapei Stadium“ in Reggio Emilia, 230 Kilometer entfernt. Dort spielte Atalanta ihre Europa-League-Heimpartien, als Bergamo noch eine Baustelle war.

Fabregas schielt auf inter – und muss plötzlich umziehen
Am Sonntag gegen Rom geht’s ums Geschichtsbuch. Bei Sieg rückt die Champions-League-Quali in Reichweite. Die Tickets wechseln auf dem Schwarzmarkt für 400 Euro. Die Fans singen schon „Porto, Manchester, Como“ – ahnungslos, dass das Abenteuer vielleicht in Sassuolo stattfindet.
Der Coach selbst spielt die Coolness: „Wir spielen Fußball, der Rest ist Bürokratie.“ Dabei wissen alle, dass die UEFA keine Ausnahmegenehmigungen erteilt. Keine Kurve auf Rohren, kein Spielfeld mit 66 statt 68 Metern, keine provisorische Glotze im Presseraum. Wer nachrückt, verliert das Heimrecht. Punkt.
Die Stadtverwaltung will helfen, kann aber nicht. Das Gebäude steht unter Landschaftsschutz, das Gelände grenzt an den See, und jeder Zentimeter Grund ist verbaut. Die einzige Lücke: ein ehemaliges Parkhaus, 40 Meter lang, drei Meter tief. Da passen gerade mal die TV-Transporter rein.
Der Countdown läuft. Die Lizenz für 2025/26 muss bis 30. Juni vorliegen, sonst rutscht der Como in die zweite Qualifikationsrunde – und das Heimspiel findet in Triest, Verona oder vielleicht gar nicht mehr in Italien statt. Die Spieler wissen es, unterschlagen es. Nach dem Training schiebt der Verwaltungsdirektor schon Kisten in die provisorische Pressebaracke. „Nur für den Fall“, sagt er und meint: für den Fall, dass der Traum wahr wird und das Stadion ihn ausbremst.
Der Klub hat 18 Millionen Euro für die Schnellsanierung reserviert. Die UEFA wartet, die Fans buchen Hotels in Reggio, und Cesc Fàbregas probt schon den Satz für die Pressekonferenz: „Wir sind bereit – egal wo.“ Dabei wissen alle: Wenn der Como erstmals die europäische Hymne hört, wird sie irgendwo zwischen Autobahnkreuz und Outlet-Center erklingen, statt zwischen Palmen und Seeblick. Das wäre der größte Triumph und die bitterste Heimniederlage zugleich.
