Como erstickt italien: cescs rebellen jagen die champions league

Cesc Fàbregas hat Tränen im Strahl geweint, dann seine Spieler in die Bütt geschickt – raus kam ein 5:0 gegen Pisa, die beste Verteidigung der Serie A und Platz vier, drei Zähler vor Juve. Der Como gehört damit 49 % des verstorbenen Milliardärs Michael Hartono, aber 100 % der Zukunft Italiens.

Die rechnung geht auf, weil sie nicht bloß kassiert

125 Millionen Euro im letzten Sommer – keine Frage, das Geld stinkt. Doch während andere Klubs Dutzende teure Fehlkäufe horten, hat Como systematisch 19- bis 21-jährige Dribbelmonsters eingekauft, die noch kein europäisches Top-Team auf dem Zettel hatte. Jesús Rodríguez (AZ, 5 Mio.), Jason Addai (Betis, 6 Mio.), Assane Diao (Betis, 22 Mio.) – vor einem Jahr kannte sie nur Football-Manager-Nerd-Twitter, heute zwingen sie Italiens Abwehrreihen in die Verzweiflung.

Die Statistik lügt nicht: 26,96 Dribblings pro Spieltag – das ist der Tiefstwert Europas, hinter La Liga, Premier League, Ligue 1 und Bundesliga. Como aber spielt wie aus einem Paralleluniversum. Die Mannschaft presst in den ersten fünf Sekunden nach Ballverlust 62 % der Gegner in den eigenen Hälften, kein Serie-A-Klub kommt über 55 %. Und wenn die Beine schwer werden, schaltet Fàbregas um auf Fünferkette, holt vier Punkte aus Milan und Turin und beweist, dass er nicht nur TikTok-Taktik studiert hat.

Die abwehr besteht aus altmetall und rohdiamant

Die abwehr besteht aus altmetall und rohdiamant

Die beste Defensive der Liga kostete zusammen 5 Millionen Euro. Diego Carlos, 33, in Istanbul für erledigt erklärt, kam per Leihe. Jacobo Ramón, 21, aus Real Madrids Castilla, kostete 2,5 Millionen – Real behält 50 % an einem Weiterverkauf. Dazwischen steht Cesc, der die beiden in eine Pressschablone setzt, die Gegner schon in der eigenen Hälfte erstickt. Ergebnis: 22 Gegentore, zwei weniger als Inter und acht weniger als der SSC Neapel.

Vorne schießt kein Superstar, sondern ein griechischer Wiedergänger: Tasos Douvikas, vor zwei Jahren beim Celta noch Reservist, heute mit 11 Treffern zweitbester Serie-A-Torschütze – vor Álvaro Morata. Dahinter lauert Nico Paz, 20, mit 10 Buden. Beide kamen für insgesamt 28 Millionen – weniger als eine Halbzeit Harry Maguire.

Italiens angst vor der zukunft

Italiens angst vor der zukunft

Como ist das, was die Liga hasserfüllt liebt: ein Spiegel, der die eigenen Makel zeigt. Während andere Klubs nach dem dritten Trainerwechsel im Jahr noch 3-5-2 spielen und auf 34-jährige Stürmer hoffen, haben die Larianer Scouting-Abteilungen mit Datenanalysten, die Videos schneiden, bis der Akku glüht. Das Ergebnis ist ein Fußball, der sich nicht nach italienischer Nostalgie anfühlt, sondern nach morgen.

Die Champions-League-Ränge sind kein Lotterielos mehr, sondern ein Selbstbedienungsladen. Wenn Como am letzten Spieltag noch vorne steht, schickt das eine SMS an den ganzen Boot: Investieren reicht nicht, man mau investieren mit Hirn. Und vielleicht war das 5:0 gegen Pisa nur die erste Antwort Italiens auf eine Frage, die sich seit Jahren stellt: Wer wagt, wer wächst, wer bleibt stehen?

Die Antwort steht jetzt in der Tabelle: Como, 66 Punkte, +31 Tordifferenz. Der Traum ist kein Traum mehr, sondern ein Termin Kalender, der am 31. Mai in Istanbul enden kann. Italien schaut weg – und verpasst das Morgen, das gerade vorbeiläuft.