Como 1907 schreibt märchen: vom serien-d auf champions-league-thron in fünf jahren

Kurz vor Mitternacht flimmerte ein 7:6 nach Elfmeterschießen über die Bildschirme – und plötzlich wusste ganz Italien: Am Comer See reift ein neuer Machtfaktor heran. Como 1907, vor fünf Jahren noch ein Provinzklub in der vierten Liga, steht im Halbfinale des Coppa Italia und auf Tabellenplatz vier der Serie A. Die Champions-League-Plätze sind keine Utopie mehr, sondern nur noch drei Punkte entfernt.

Die milliarden-brüder und der plan, der alles veränderte

Michael Bambang Hartono und Robert Budi Hartono, Tabak-Milliardäre aus Indonesien, ließen sich 2019 vom Lago-di-Lago-Flair verzaubern – doch statt Villen kauften sie eine Fußball-Philosophie. Mit 45 Milliarden Dollar Privatvermögen im Rücken verwandelten sie einen maroden Dino in einen Start-up-Verein: 5 Angestellte wurden zu über 100, ein Kader von 300 Millionen Euro Marktwert entstand, eine eigene Akademie samt Trainingszentrum aus dem Boden gestampft. „Wir hatten kein Wappen, keine Plätze, nichts“, sagt CEO Dennis Wise, „heute haben wir alles.“

Die Transferstrategie folgt keinem Galáctico-Klischee. Statt Ronaldo-Show kam Nico Paz für läppische sechs Millionen aus der Castilla – heute wert: 65 Millionen, neun Tore, sechs Vorlagen, 21 Jahre jung. Neben ihm patschen Marc-Oliver Kempf, Ignace Van der Brempt und Nicolas Kühn, Bundesliga-Auswächslinge, die in Como zur Bestform auflaufen. Die Devise lautet: scouting- statt star-basiert.

Fàbregas zieht die fäden – und besitzt auch noch anteile

Fàbregas zieht die fäden – und besitzt auch noch anteile

Seit Juli 2024 steht kein geringerer als Cesc Fàbregas an der Seitenlinie. Der Weltmeister von 2010 hält selbst Klubanteile, genauso wie Kumpel Thierry Henry. Sein Spielplan: 65 Prozent Ballbesitz, flinke Außenverteidiger, ständiges Umschaltpressing – kurz: Spanien-Tiki-Taka im italischen Gewand. Gegner verlieren sich in Comos Lauf-Schleusen, bevor sie den Seestern überhaupt berühren. Er will das Ziel nicht benennen, sagt nur: „Wir bauen eine Kultur, die Spiele gewinnt.“

Am 21. April entscheidet sich im Rückspiel gegen Inter, ob der Pokal-Traum weiterlebt. Doch selbst wenn das Semifinale endet – die Europa-Tauglichkeit ist längst besiegelt. Die UEFA-Koeffizienten werden künftig ein neues Stichwort lernen: „Como“. Fans aus Madrid, Manchester und München dürften bald ihre Reise-Apps nach 22100 Como, Provincia di Como, schicken. Dann steht nicht mehr nur das idyllische Panorama auf den Postkarten, sondern auch ein Stadion, das sich inmitten von Olivenhainen duckt und den nächsten europäischen Fußball-Giganten beherbergt.

Die Serie A hat einen neuen Störenfried – und die Champions League bekommt ein neues Reiseziel. Die Postkarten sind bereits gedruckt.