Juventus: top-transfers trotz champions-aus?

Turin – Die Bianconeri stehen vor einer Zäsur. Der verpasste Einzug in die Champions League mag schmerzhaft sein, doch die finanzielle Lage der Juventus ist überraschend stabil. Marco Iaria, Journalist der Gazzetta dello Sport, enthüllt: Selbst ohne die lukrativen Einnahmen aus der Königsklasse plant die Alte Dame einen ambitionierten Sommer-Transfermarkt.

Rückzahlung der schulden: ein marathon, kein sprint

Die jüngsten Jahre waren für die Juventus finanziell turbulent. Doch der Kurs hat sich gewendet. Von einem Defizit von 239 Millionen Euro in der Saison 2021/22 ging es kontinuierlich bergab: 124 Millionen, 199 Millionen (ohne Pokalspiele) und schließlich 58 Millionen Euro in der letzten Saison. Einmalige Einnahmen aus dem TV-Vertrag mit IMG in Höhe von über 20 Millionen Euro werden den aktuellen Jahresabschluss weiter entlasten.

Was niemand so recht erwartet hätte: Die Uefa und der italienische Fußballverband (FIGC) werden den Juventus-Kaderumbau nicht behindern. Vielmehr sieht es so aus, als ob die Bianconeri einen bereits eingeschlagenen Weg der finanziellen Konsolidierung fortsetzen, der im Geschäftsjahr 2026/27 einen weiteren entscheidenden Schritt zur wirtschaftlichen Balance bringen soll.

Sparmaßnahmen und vertragsgeschick: die basis für neue stars

Sparmaßnahmen und vertragsgeschick: die basis für neue stars

Die Einnahmeausfälle durch das Scheitern in der Champions League werden voraussichtlich bei 55 bis 60 Millionen Euro liegen. Doch die Juventus hat bereits rigorose Sparmaßnahmen ergriffen. In den letzten drei bis vier Jahren wurden die Ausgaben um rund 150 Millionen Euro reduziert. Im ersten Halbjahr 2025/26 sanken die Spielergehälter sogar um weitere 10 Millionen Euro. Durch Vertragsabgänge (Vlahovic, Kostic, Rugani) und gezielte Vertragsverlängerungen mit anschließender Amortisationsstauglichkeit werden zudem ab 2026/27 weitere 20 bis 30 Millionen Euro an Kosten eingespart.

Darüber hinaus rationalisiert die Juventus die Verleihgeschäfte ihrer Spieler, die in der Vergangenheit außer Kontrolle geraten waren. Um die Lücke zu Champions-League-Niveau zu schließen, wird der Verein verstärkt auf Spielertransfers setzen. Ziel ist es, die Einnahmen aus Spielerverkäufen im Geschäftsjahr 2026/27 auf rund 100 Millionen Euro zu steigern – eine deutliche Steigerung gegenüber den durchschnittlichen 60 Millionen Euro der letzten Jahre.

Die uefa-regeln: ein rahmen, keine fesseln

Die uefa-regeln: ein rahmen, keine fesseln

Die Juventus erfüllt bereits die UEFA- und FIGC-Vorgaben bezüglich des Squad-Cost-Ratio und der Gesamtkosten für den Kader. Auch die „Football Earnings Rule“, die ein maximales Defizit von 60 Millionen Euro über drei Jahre erlaubt, stellt kein Problem dar. Die vergangenen Verluste sollen durch eine Einigung mit der UEFA im Juli „ausgebügelt“ werden, verbunden mit einer Rückzahlungsvereinbarung über drei bis vier Jahre. Für den Sommer 2024 bedeutet dies: Keine übermäßig strengen Auflagen, sondern lediglich eine nachhaltige Kaderplanung.

Die Zeichen stehen auf Neuanfang in Turin. Mit einem klaren Plan und finanzieller Disziplin will die Juventus ihre Ambitionen unterstreichen und die Spirale negativer Entwicklungen durchbrechen. Die kommenden Transferfenster werden zeigen, ob die Alte Dame tatsächlich in der Lage ist, mit einem schlankeren Budget wieder an die Spitze zu stürmen.