Claudio santamaria dreht in der motogp-garage: „ich war wie ein kind im zirkus“
Claudio Santamaria hat den Rennzirkus wieder erfunden – nicht als Fan, sondern als Hauptdarsteller. In Idoli – Fino all’ultima corsa jagt der Römer durch echte Grand-Prix-Strecken, zwischen Boxengassen, Dornas Kamerateams und Paddock-Klatsch. Premiere ist heute in den italienischen Kinos.
Kein setbau, sondern startaufstellung in jerez
Regisseur Mat Whitecross schmiss die Drehbuchseiten über den Haufen, als Dorna Sport die Produktion in Spanien, Italien, USA und Japan freigab. Statt Green-Screen stand Santamaria neben Francesco Bagnaia in der Pramac-Garage. „Die Teams änderten Szenen, weil sie echte Strategiegespräche hören wollten – nicht Schauspiel-Pathos“, sagt der 45-Jährige.
Der Film ist damit die erste italienische Produktion, die die Königsklasse von innen zeigt – ohne Doku-Aufmachung, aber mit Bordkamera auf einer Yamaha R1 auf dem Sachsenring.

Vom peugeot 105 zur xl250r: die maschine, die alles auslöste
Santamaria schraubte als Teenager in der Garbatella an Mopeds. „Ich konnte den Vergaser in zwei Minuten auseinandernehmen, heute brauchst du ein Ingenieurstudium für ein ECU-Update“, lacht er. Sein erstes Bike: eine rote Honda XL250R, gekauft für eine Kroatien-Tour. „Die Zentraline verstarb, Ersatz gab’s nicht. Nach dem Dreh kaufe ich mir eine 400er – dieselbe Lackierung, nur schneller.“
Enduro-Fieber packte ihn wieder. Zwischen den Takes fuhr er mit der Husqvarna 300 TE durch Andalusien, um sich „den Staub der Strecke statt des roten Teppichs“ unter die Nägel zu holen.
Respekt statt raserei: warum er nie eine rennmaschine besaß
„Auf der Straße bestimmen andere deine Unfallchance“, sagt Santamaria. Er erzählt von einem Auto, das in Rom spontan wendete. „Mein Vorderrad knickte ein, ich blieb heil, die MotoGP sah ich fortan mit anderen Augen: als Technik-Labor, nicht als Spielplatz.“
Diese Haltung half ihm, echte Mechaniker zu überzeugen. Gino Borsoi, Teamchef von Pramac, gab ihm einen Satz Carbon-Bremsbeläge als Glücksbringer – heute hängen sie im Wohnzimmer des Schauspielers, gerahmt neben einem Lenkrad von Valentino Rossi.

Boxenstopp statt box office: zahlen, die motorenfreaks wachrütteln
Die Produktionskosten von 8 Millionen Euro wurden zur Hälfte durch Sponsoren aus der MotoGP-Welt gedeckt. Dorna lieferte 47 Kameras, 120 Runden Rohmaterial und einen eigenen Safety-Car-Einsatz in Austin. Santamaria: „Wir haben 0,3 Sekunden Rückstand auf den Schnellsten – auf der Leinwand wirkt das wie ein Herzinfarkt.“
Ob der Film auch in Deutschland startet, entscheidet sich nach dem Italien-Wochenende. Kinos in München und Berlin haben bereits angefragt – mit Live-Inszenierung eines Boxenstoppes vor der Vorstellung.
Santamaria will nicht mehr nur zuschauen. „Ich fahre nächstes Jahr die Sardegna Rally – nicht als Promi, sondern als Starter Nummer 337.“ Die Maschine steht schon in der Garage: eine rote 400er Honda, selbstverständlich.
