Chus mateo entlässt sein talent-camp – und kündigt den nächsten wm-coup an
Keine Zeit verloren: Nach nur drei Tagen hat Spanien-Basketball-Chef Chus Mateo die Talente wieder auf die Welt verteilt – und dabei schon die Kaderliste für die WM-Qualifikung im November neu sortiert. Die Botschaft ist klar: Wer heute im Camp überzeugt, fliegt morgen nach Doha.
Mateos radar zeigt jetzt auch us-talente
Die Idee klingt simpel, wirkt aber wie ein Software-Update für die gesamte Nationalmannschaft. Statt wie bisher nur europäische Beobachterberichte zu sammeln, lud die FEB 18 Spieler zwischen 18 und 22 Jahren nach Madrid, die ihre Ausbildung in US-Colleges oder der G-League absolvieren. Ergebnis: Mateo kennt jetzt nicht nur deren Stats, sondern auch den Geruch ihrer Turnschuhe. „Wir wollten sehen, wie sie atmen, wenn sie ertappt werden, dass sie eine Verteidigung verschlafen haben“, sagt der Coach. „Die Zahlen lügen nie, aber das Gesicht davor schon.“
Am dritten Tag zeigte sich: Die Spanier, die in Tampa oder Spokane trainieren, haben trotz Campus-Distanz spanische DNA behalten. Passgenauigkeit und Pick-and-Roll-Reads funktionierten nach wenigen Einheiten wie eingebaut. „Unsere Basisarbeit in Liga EBA und LEB war sichtbar“, schwärmt Mateo. „Die Jungs haben nicht verlernt, wie man zwei Meter vor dem Coach die Hände hochbekommt.“

Kein testspiel, trotzdem sieg – der score steht 18-0 für den geist
Ein offizielles Match gab es nicht, dennoch fiel ein Sieger: der Gruppenzusammenhalt. Um 6:30 Uhr Fitness-Check, um 9:00 Uhr Video-Session mit Clips aus der letzten EuroBasket, um 14:00 Uhr kleine-Felder-3-on-3, bei dem sich die US-Boys gegenseitig mit spanischen Flüchen beschimpften. „Sie haben gelernt, dass „hostia“ mehr ist als ein Schimpfwort – es ist ein Zeitgefühl“, lacht Mateo.
Den größten Applaus erntete Usman Garuba, der trotz NBA-Verpflichtung extra erschien. Er sprach mit jedem Einzelnen über die Mentalität, die nötig ist, wenn man in der absoluten Auswahl plötzlich gegen Giannis oderLuka steht. „Er hat uns erklärt, dass Spanien keine Sterne braucht, sondern Kommas“, sagte Camp-Teilnehmer Eli Ndiaye. „Wir verbinden die Sätze, nicht die Superlative.“

November-liste wird doppelt so lang – und ein name steht schon fest
Mateo will die bisherige Quali-Truppe von 14 auf etwa 28 Spieler erweitern. Grund: Die FIBA-Fenster kollidieren mit NBA- und Euroleague-Terminen, daher braucht er eine „doppelte Schublade“. Wer diese Woche zeigte, dass er auch nach zehn Stunden Flug und zwei Stunden Schlaf noch die Dreier trifft, rückt in diese Schublade vor. „Ich habe mir Notizen gemacht, aber auch Whatsapp-Sprachnotizen geschickt – die klingen echter, man hört den Atem“, verrät der Coach.
Ein Name steht laut Insidern schon auf der November-Liste: Juan Núñez. Der 19-jährige Point Guard von Ratiopharm Ulm war Camp-MVP, verwandelte in der letzten Simulation 9 von 10 Floatern und hatte zwölf Assists bei nur einem Ballverlust. „Er spielt so langsam, dass die Defensive ihm dreimal hinterherläuft“, schwärmt Mateo. „Das ist keine Trägheit, das ist Zeitlupen-Macht.“
Die rechnung geht auf: 150.000 euro investition, unbezahlter gewissheit
Die FEB beziffert die Kosten für Flüge, Hotel und medizinische Betreuung auf rund 150.000 Euro. Dafür erhält sie ein lebendes Google-Spreadsheet mit Herzfrequenz, Sprungkraft und Charakterwerten. „Wir wissen jetzt, dass Michael Caicedo nach einem Sprint noch 97 % Freiwürfe trifft – und dass Igor Drobnjak lieber Pizza mit Ananas isst, bevor er einen Dreier verballert“, scherzt Mateo. „Beides ist wertvoll, wenn es um Kaderchemie geht.“
Am Mittwochabend endet das Camp mit einem internen Shooting-Wettbewerb, bei dem der Verlierer die Trikots der Gruppe waschen muss. Symbolik inklusive: Wer kleine Aufgaben scheut, wird später keine großen Turniere gewinnen. „Wir bauen keine Stars, wir bauen Waschmaschinen-Charakter“, sagt Mateo. „Der, der auch bei 0/10 aus der Winkel-Dreierlinie noch denkt ,nächster geht rein‘, ist bereit für Katar.“
Der nächste Schritt folgt sofort: Scouts fliegen Anfang Oktober zu den Colleges und liefern tägliche Kurzclips per FEB-Cloud. Mateo selbst wird Garuba in Houston besuchen, Núñez in Ulm. „Ich will sehen, wie sie sich benehmen, wenn der Bus mal zwei Stunden im Stau steht“, sagt er. „Spanien gewinnt keine Weltmeisterschaften mit dem besten Pick-and-Roll, sondern mit dem besten Geduldspiel.“
Die Botschaft an die Konkurrenz ist unmissverständlich: Spanien zieht nicht nur seine eigenen Talente zurück, es kartiert auch die Unruhe der Gegner. Denn wer in zwei Jahren in Katar gegen die „Roja“ steht, weiß jetzt: Irgendwo auf der Bank sitzt ein 20-Jähriger, der schon mal drei Tage lang ohne Matchdruck die Systeme gelernt hat – und dabei gelernt hat, dass „hostia“ nur der Anfang ist.
