Valencia schafft den zweiten anlauf: 29 punkte rückrunde, europa plötzlich greifbar

Der FC Valencia spielt seine beste Saison erst, wenn der Vorhang schon halb zugezogen ist. Von Platz 17 nach der Hinrunde zu 29 Punkten in der Rückrunde – das ist keine Talfahrt, das ist eine Kanonenkugel nach oben.

Corberáns mannschaft liegt in der rückrunden-tabelle vor betis und nur zwei zähler hinter atlético

Neun Siege, zwei Remis, sieben Niederlagen seit Spieltag 20. Die Zahlen wirken bescheiden, bis man sie neben die 17 Punkte der Hinrunde legt. Dann wird klar: Valencia hat sich in den letzten Wochen verdoppelt, während andere nur noch Administration betrieben haben.

Die Rechnung für die Conference League ist simpel geworden. Gewinnt Valencia am 38. Spieltag, während Rayo und Getafe patzen, rutscht der Klub auf Platz sieben und schnappt sich das letzte europäische Ticket. Keine große Mathematik, nur ein paar Ergebnisse, die in dieser Saison schon öfter gegen den Klub gingen, nun aber endlich für ihn laufen könnten.

29 Punkte bedeuten Rang vier in der Rückrunde – hinter Barcelona (45), Real Madrid (38) und Atlético (31), aber vor Real Betis (28). Kein anderer Klub schoss eine derart steile Kurve. Die Frage bleibt: Warum erst jetzt?

Letzte saison holte valencia 33 rückrundenpunkte – und rettete sich vor dem abstieg

Letzte saison holte valencia 33 rückrundenpunkte – und rettete sich vor dem abstieg

Das Muster wiederholt sich. Auch 2024/25 lag der Klub zur Winterpause im Keller, ehe Corberán seine Mannschaft auf 33 Punkte hochschraubte. Damals reichte es zum Klassenklau, diesmal zum Europacup. Die Spanier nennen es remontada, die Spieler nennen es einfach Arbeit.

Der Trainer selbst redet nicht von Wundern. „Wir haben nur aufgehört, uns selbst zu verstecken“, sagte er nach dem 2:0 in Villarreal. Die Defensive stand danach sieben Spiele in Folge nicht mehr zweimal hintereinander. Der eingeschlagene Doppelsechser mit Pepelu und Javi Guerra lässt Gegner in der eigenen Hälfte erstickern. Vorne traut sich Duro endlich, den Abschluss zu suchen, statt noch einen Haken zu machen.

Die Fans spüren die Verschiebung. Mestalla bebte beim letzten Heimspiel, als das Team nach einem 0:1 gegen Osasuna noch auf 3:1 drehte. Es war das vierte Spiel in Serie, in dem Valencia nach Rückstand gewann – eine Serie, die es in dieser Form seit der Meistersaison 2004 nicht mehr gegeben hat.

Ein sieg am sonntag und europa ist realität – egal was vorher war

Ein sieg am sonntag und europa ist realität – egal was vorher war

Die Saison war am 4. Januar praktisch zu Ende erklärt. Valencia hatte 17 Punkte, drei Trainerwechsel standen im Raum, der sportliche Direktor war bereits Geschichte. Jetzt schreiben dieselben Spieler die nächste Rückrunden-Story. Keiner fragt mehr, warum es nicht früher klappte. Die Antwort lautet: Es klappt gerade.

Corberán wird am Sonntag in Granada keine großen Reden halten. Er wird seine Startaufstellung nennen, die Kapitäne werden das Stadion anpeilen, und dann wird Valencia wieder laufen. 90 Minuten trennen den Klub vom zweiten Mal Europa in drei Jahren. Die erste Halbzeit der Saison war ein Fiasko. Die zweite wird vielleicht einfach Geschichte.

29 Punkte aus 17 Spielen. Die Tabelle der Rückrunde lügt nicht. Valencia hat nichts geschenkt bekommen – nur endlich die eigene Stimme wiedergefunden.