Chukwuemeka: 97 profi-spiele, keine einzige 90-minuten-schreckensbilanz

Carney Chukwuemeka kostete Chelsea und Dortmund fast 40 Millionen Euro. Für diesen Preis bekamen die Klubs 97 Einsätze, aber kein einziges Mal die beruhigende Gewissheit, dass der Mittelfeldspieler auch wirklich durchsteht. Kein einziges Mal 90 Minuten. Null.

Seit seinem Debüt am 19. Mai 2021 verpasste der 22-Jährige 44 Pflichtspiele – eine komplette Saison, weggewischt von Knie, Wade, Adduktoren. 23 Mal war das linke Knie schuld. Die restlichen 21 Ausfälle verteilen sich auf Oberschenkel, Sprunggelenk und eine mysteriöse Hüfte, die sich immer dann meldet, wenn der Engländer gerade richtig Fahrt aufnimmt.

Die bank ist sein bester freund

Von 97 Einsätzen startete er 79 Mal von der Bank. In den 18 Partien, in denen er in der Startelf stand, flog er vor Schluss wieder raus. Die Statistik liest sich wie ein medizinisches Gutachten, das versehentlich in einem Spielbericht gelandet ist. Und sie erklärt, warum Edin Terzić ihn nur in kurzen Dosen einsetzt: 1.012 Minuten in 32 Partien, umgerechnet 31 Prozent der möglichen Spielzeit. Die einzige Konstante: Chukwuemeka bleibt auf dem Rasen, solange das Glas nicht zerspringt.

Dabei war der österreichische Nationalspieler einst das Wunderkind der Villa Academy. In der U-19 und U-20 lief er durch, spielte 12 komplette Partien, ohne dass seine Knie Alarm schlugen. Der Profi-Fußball aber, mit zweimaliger Woche Training bei 30 Grad und englischem Dezember-Programm, scheint seinem Körper ein Gutachten ausgestellt, das lautet: „Nicht geeignet für Dauerlauf.“

Dortmund setzt auf mikromanagement statt megadeal

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Die aktuelle Saison ist vergleichsweise stabil: nur zwei Fehlspiele wegen muskulären Problems, vier weitere, weil Terzić lieber auf Brandt oder Reus setzte. Die Leihgebühr von einer Million plus 27 Millionen Euro Kaufoption im Sommer wirkt wie ein Wette des BVB darauf, dass sich Chukwuemekas Körper irgendwann an die Belastung gewöhnt. Bislang gewinnt das Knie.

Für den Spieler selbst bleibt die Uhr ticken. Mit 22 Jahren steht er vor demselben Dilemma wie viele vor ihm: Wer ständig reisst, wird irgendwann zum Luxusproblem des Kaders. Die Frage ist nicht, ob er Talent hat. Die Frage ist, ob sein Körper je länger als 80 Minuten durchhält, ohne zu rebellieren. Solange die Antwort Nein lautet, bleibt Chukwuemeka ein Projekt – und kein Protagonist.