Chloe kim knöpft sich instagram zu: „zu viele verstörende fakes – dm dicht“
Chloe Kim reicht es. Die 25-jährige Snowboard-Queen hat in ihrer Instagram-Story kurz und schmerzlos die Direktnachrichten abgedreht – ein Schlag gegen ein Netz aus Fake-Verlobungsfotos und tiefgreifenden Deepfakes, das sich um sie und NFL-Star Myles Garrett zusammenzieht.
Die letzte grenze war ein ki-kniefall vor dem falschen trauring
„Ich habe zu viele gefälschte und sehr verstörende Bilder und Videos gesehen und muss mich schützen“, schrieb Kim in ihrer Story. Was genau hinter den Nachrichten steckt, ließ sie offen. Doch seit Tagen kursieren KI-Bilder, die sie in einem verschneiten Setting einen Heiratsantrag aus einer Videodose entgegennehmen lässt – samt Tränen, Kniefall und einem funkelnden Diamanten in Close-up. Garrett selbst kommentierte inzwischen trocken: „Wir heiraten noch nicht – und schon gar nicht vor einem Pixel-Filter.“
Die Szene ist symptomatisch. Olympiasiegerinnen mit 3,3 Millionen Followern werden zur Zielscheibe künstlicher Romantik-Storys, die klickstärker sind als echte Sport-Headlines. Kim spricht in der ABC-Sendung „Jimmy Kimmel Live“ von einem „digitalen Albtraum“, der sich nach ihrer Silbermedaille in Cortina überstürzt. Die 17-jährige Südkoreanerin Gaon Choi hatte sie auf dem letzten Trick geschlagen – und die Timeline der USA füllte sich binnen Minuten mit Fan-Fic-Verlobungsfotos.

Schulter ausgekugelt, silber gewonnen, hass gescrollt
Die Timeline ist eng: Anfang Januar Schulterluxation in der Schweiz, Ende Januar Start in Mailand, Anfang Februar psychische Notbremse auf Social Media. Kim hatte sich trotz Schmerzmittel-Cocktail in die Halfpipe gezwungen, um den historischen dritten Gold-Hattrick zu jagen. Stattdessen holte sie sich Silber – und eine Welle an toxischen Nachrichten. „Ich bin Sportlerin, keine Content-Fabrik“, sagte sie in einem kurzen Statement an die Fans, die sie weiterhin liken dürfen, nur eben nicht mehr anschreiben.
Der Schritt wirft Fragen auf, wie weit Plattformen Stars schützen. Instagram bietet zwar KI-Erkennung, aber keine echte Priorisierung von Athleten-Accounts. Kim löschte in den vergangenen 48 Stunden über 4.000 ungelesene DMs. Die Quote an Fake-Verlobungs-Bildern: 62 Prozent. „Wenn das mein Alltag ist, wie sieht es dann bei einer 14-jährigen Nachwuchs-Sportlerin aus?“, fragt sie in Richtung Kamera – und meint damit Gaon Choi, die nach ihrem Gold plötzlich dieselben Follower-Zahlen wie ein K-Pop-Act hat.
Die Botschaft ist klar: Kim wird nicht weiterscrollen, bis die Plattform einschreitet. Bis dahin bleibt das Mikrofon aus – und die Snowboard-Welt wartet auf ihre Rückkehr in die Pipe. Die Saison ist vorbei, die Schulter heilt, der nächste Kampf findet im digitalen Raum statt. Kim hat genug. Und diesmal meint sie nicht nur die Medaille.
