Chinas automobil-revolution: vom santana-oldtimer zur id.era 9x
Nur dreizehn Jahre. So viel Zeit verging zwischen dem Produktionsende des legendären Volkswagen Santana und dem Start der ID.Era 9X – ein Zeitalterunterschied, der die rasante Entwicklung der chinesischen Automobilindustrie in dramatischer Weise offenbart. Was einst als Lizenzproduktion begann, ist heute eine Konkurrenz auf Augenhöhe.
Ein vergleich der extreme: zwei welten, eine familie
Auf den ersten Blick wirken der Santana und die ID.Era 9X wie Produkte aus zwei völlig unterschiedlichen Universen. Doch beide Fahrzeuge sind eng miteinander verwandt, geboren aus der ersten Joint Venture zwischen Volkswagen und dem chinesischen Hersteller SAIC. Ein Blick unter die Haube und in die Geschichte offenbart eine bemerkenswerte Transformation.
Normalerweise benötigt man vier Jahre, um ein neues Auto zu entwickeln, und viele Modelle haben eine Lebensdauer von über einem Jahrzehnt. Selbst der Fiat Panda, ein Dauerbrenner, ist seit 2012 in Produktion. Der Vergleich zwischen Santana und ID.Era 9X ist daher unfair, aber gerade das macht ihn so aufschlussreich. Er zeigt, wie China von der Produktion veralteter europäischer Modelle zu einem Exporteur innovativer und wettbewerbsfähiger Fahrzeuge aufgerückt ist.
Diese Entwicklung ist kein völlig neues Phänomen: Bereits koreanische und japanische Hersteller haben in der Vergangenheit ähnliche Sprünge vollzogen. Doch in China scheint etwas anders zu sein – die schiere Größe des Marktes mit über einer Milliarde Einwohner und die spezifischen kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen beschleunigen den Wandel.
Ein passioniertem Auto-Enthusiast in Peking, der uns zu einem Abendessen einlud, brachte uns auf den Punkt. Er fuhr uns in seinem stolzen Santana, einem B2-Passat aus dem Jahr 2007, durch die Straßen. „Hier interessiert sich kaum jemand für Oldtimer“, erklärte er. „Man sucht immer das neueste und größte Modell, das man sich leisten kann.“ Das Fahren eines Klassikers im chaotischen Verkehr der chinesischen Hauptstadt ist somit eher eine ästhetische Erfahrung.
Doch dann tauchte unerwartet eine nagelneue Volkswagen ID.Era 9X auf, geparkt vor unserem Restaurant. Ein junger Gast, der Zugang zu Fahrzeugen aus den Presseflotten der Automobilhersteller hatte, präsentierte uns stolz sein neuestes Spielzeug. Der Kontrast zwischen dem Santana und der ID.Era 9X war schlichtweg umwerfend – ein Spiegelbild der Transformation der chinesischen Automobilindustrie.

Die santana: symbol einer ära
Jeder großer Automobilmarkt hat sein Symbol für die Massenmotorisierung. In Italien ist es der Fiat 500, in Frankreich der Citroën 2CV, in Deutschland der Käfer. Und in China war es lange Zeit die Volkswagen Santana. Die erste in großem Stil vermarktete Fahrzeug war zwar die Fiat 126 Polski, aber die Santana, produziert seit 1983, markierte den eigentlichen Beginn der chinesischen Motorisierung.
Volkswagen erkannte früh das enorme Potenzial des chinesischen Marktes und etablierte sich als Pionier. Zunächst richtete sich die Produktion an staatliche Stellen, später an die wachsende Mittelschicht. Der Santana wurde zu einem Verkaufsschlager und trug maßgeblich zum Erfolg der Volkswagen-Gruppe bei, die in ihren besten Jahren bis zu 40 Prozent aller in China produzierten Autos verkaufte.
Die id.era 9x: ein neues kapitel
Der Produktionsstopp des Santana im Januar 2013 markierte das Ende einer Ära. Dreizehn Jahre später, im Januar 2026, verließ die erste ID.Era 9X die Produktionslinie. Ein Symbol für das neue China: ein gigantischer SUV mit Range-Extender-Technologie, der die chinesische Vorliebe für Elektrofahrzeuge widerspiegelt und von staatlichen Förderprogrammen profitiert.
Die ID.Era 9X ist nicht nur das größte Fahrzeug mit VW-Logo, sondern auch das erste mit Range-Extender. Angetrieben wird sie von einem 1,5-Liter-Viertaktmotor, der lediglich als Generator fungiert. Die Räder werden von einem Elektromotor angetrieben, der je nach Version 299 oder sogar 517 PS leistet. Mit einer Batteriekapazität von 52 oder 65,2 kWh bietet die ID.Era 9X eine Reichweite von bis zu 321 Kilometern im rein elektrischen Betrieb.
Die Ausstattung ist luxuriös, mit vier Komfortsitzen, einem Projektionsdisplay anstelle eines herkömmlichen Armaturenbretts und einem Lidar-Sensor für die Fahrerassistenzsysteme. Mit einem Preis ab 38.700 Euro ist die ID.Era 9X erschwinglich, insbesondere angesichts ihrer Größe und Technologie. <Die chinesische Automobilindustrie hat sich gewandelt – und Volkswagen muss sich anpassen.
