Verstappen erwacht: miami-qualifying war nur der erste schlag

Max Verstappen lacht wieder. Und das ist das Schlimmste, was die Konkurrenz diese Woche überhaupt erleben konnte. Nach Wochen, in denen sich der viermalige Champion wie ein Fremdkörper in seinem eigenen RB21 bewegte, schob er das Auto in Miami mit einem Mal dorthin, wo es hingehört: Startplatz zwei, nur zwei Zehntel hinter Oscar Piastri.

Die pause hat den niederländer wieder auf die beine gebracht

„Von einer Session zur anderen fühlte sich alles anders an – und wir haben kein einziges Teil getauscht“, sagte Verstappen mit der Stimme eines Mannes, der eben einen 90-Grad-Knick in seiner Karriere gemacht hat. Drei Rennen zuvor funkte er noch, sein Auto sei „komplett unfahrbar“, in Jeddah schmiss er es quer durch die Kurven wie ein überdrehtes Kettcar. Jetzt spricht er von Selbstvertrauen, von Balance, davon, „nicht mehr wie Beifahrer“ im Cockpit zu sitzen.

Die Zahlen untermauern den Sinneswandel. In den ersten vier Rennen verlor Verstappen durchschnittlich 0,37 Sekunden auf die Pole – gestern war er auf Augenhöhe. Die Longruns im dritten Training zeigten sogar: Mit Volllast und niedrigem Tank lag er 0,12 s pro Runde vor Piastri. Red Bull hat die Lücke also nicht nur geschlossen, sie ist schon wieder vorne.

Ferrari und mclaren reagieren mit gemischten gefühlen

Ferrari und mclaren reagieren mit gemischten gefühlen

Charles Leclerc versuchte in der Pressekonferenz, gelassen zu wirken: „Wir haben mit einer Reaktion gerechnet, aber nicht damit, dass er direkt in die erste Reihe zurückkommt.“ Oscar Piastri war ehrlicher: „Ich denke, ihn da vorne zu sehen, war eine kleine Überraschung.“ Beide wissen: Wer Verstappen einmal wieder Selbstvertrauen schenkt, schenkt ihm auch Siege.

Regen soll heute Abend eigentlich das große Thema sein. Das Rennen wurde vorgezogen, um dem Unwetter zu entgehen – ein Szenario, das Verstappen sonst liebend gern mit offenen Armen empfängt. Doch selbst ohne nasse Piste droht ihm niemand mehr so recht. Die Abstimmung, die er seit Montag mit seinem Ingenieur Kaligari erarbeitet hat, funktioniert sowohl bei 35 Grad Asphalttemperatur als auch bei fallenden Temperaturen. Das Auto dreht nicht mehr ein, es untersteuert nicht, es tut einfach, was Verstappen will.

Und er selbst? Der wirkt, als hätte er die letzten Wochen nur gebraucht, um sich daran zu erinnern, warum er überhaupt Rennfahrer geworden ist. „Ich habe wieder Spaß“, sagte er, während er die Boxengasse verließ – und klang dabei so entspannt wie nach einem Training in einem Kart, nicht vor dem prestigeträchtigsten Stadtkurs der Saison.

Wenn dieser Verstappen morgen in die erste Kurve donnert, wird die Meisterschaft wieder ein Stück spannender. Nicht, weil er zurück ist – sondern weil er nie wirklich weg war. Er hatte nur vergessen, wie sich Angriff anfühlt.