Evans jagt von startplatz 17 zum sieg – berlin wird zur jaguar-abschiedsparty

Mitch Evans brettert wie ein Besessener durch das Tempelhofer Feld, fegt an 16 Gegnern vorbei und nagelt den Berlin-Sieg fest – Jaguar TCS schreit sich in der Germania-Deppe aus, bevor die zehnjährige Liaison endet.

Strategie, glück und ein full-course-yellow – perfekte mischung

Startplatz 17, ein Blick auf das Tableau, und viele schrieben den Neuseeländer ab. Doch Evans’ Ingenieure zündeten den Turbo zur rechten Minute: Beide Attack-Mode-Aktivierungen lagen exakt in den Fenstern, nach dem Safety-Car-Einsatz wegen Da Costa/Müller hatte der Jaguar-Pilot die frischen Reifen und die bessere Lücke. Oliver Rowland raste als Zweiter über die Linie, bleibt 2025 aber sieglos – ein Makel für den amtierenden Champion. Pascal Wehrlein krallt sich mit Platz drei die rote Laterne der WM: 101 Punkte, drei Vorsprung auf Evans, acht auf Edoardo Mortara.

Die Startphase gehörte fast Taylor Barnard. Der Brite riss Wehrlein in der ersten Kurve den Führungsball weg, doch die beiden Citroën von Nick Cassidy und Jean-Éric Vergne rückten sofort nach. Kontakt zwischen Cassidy und De Vries schmiss die Mahindra raus; Sekunden später touchierte Cassidy Teamkollege Eriksson – Aus für beide Envision. Die Aufholjagd von Evans begann schon früh, doch erst als die Mehrheit beim zweiten Attack-Mode blockierte, schnappte sich der Jaguar-Fahrer die Spitze.

Tempelhof lieferte das typische Berliner Schaukeltempo: 37 Runden, durchschnittlich unter 99 km/h, aber mit Sprinten bis 230 km/h auf der Start-Ziel-Geraden. Die Full-Course-Yellow-Phase kurz vor Schluss neutralisierte die letzten Angriffe – ein Schachzug, der Rowland und Wehrlein die Zähne zog. Evans profitierte, presste die Daumen aufs Lenkrad und jubelte beim Zieleinlauf wie ein Mann, der weiß, dass er Geschichte schreibt.

Wm-tabelle kippt – monaco droht als showdown

Wm-tabelle kippt – monaco droht als showdown

Porsche kehrt an die Spitze zurück, Jaguar aber verabschiedet sich mit einem Ausrufezeichen. Sein 16. Formel-E-Sieg katapultiert Evans in die engste Titelratte seit Jahren. In zwei Wochen rollt der Zirkus nach Monaco – zwei Rennen, kaum Platz zum Atmen. Wehrlein muss punkten, Rowland braucht den ersten Saisonsieg, Mortara darf nichts verschenken. Berlin war Vorspiel. Der Fürstenstaat wird das Finale vorbereiten – und vielleicht Jagurs letzten Biss zeigen.

Die Zahlen sprechen für sich: Sechs verschiedene Sieger in acht Rennen, nur acht Punkte trennen Platz eins von drei. Die Gen4-Boliden nähern sich der 340-km/h-Marke, die Reifen halten länger, die Strategie wird schlauer. Und mitten drin ein Neuseeländer, der seinem langjährigen Arbeitgeber ein Denkmal setzt – bevor er sich neu erfindet. Wenn das kein Sportkrimi ist.