Chiesa flüchtet aus dem azzurri-lager – gattuso spricht von köpfen, die nicht gleich ticken
Federico Chiesa ist wieder weg. Kein Knie gepatcht, kein Muskelfaserriss, keine PR-Formel. Der italienische Nationaltrainer Gennaro Gattuso schickte den Liverpool-Flügel nach 48 Stunden Coverciano heim – mit dem Satz, der sofort durchs Netz ging: „Köpfe sind nicht alle gleich.“
Was klingt wie ein Psychologie-Lehrbuch, ist in Wahrheit ein handfester Skandal. Denn weder das FIGC noch der FC Liverpool liefern eine medizinische Begründung. Stattdessen das berühmte „gemeinsame Einvernehmen“ – übersetzt: Wir wollen nicht sagen, was Sache ist.
Gattuso zieht die reißleine, bevor chiesa selbst kapituliert
Der Coach deutete an, dass Chiesa „zögerlich“ wirkte, als er Montag in das Trainingszentrum rollte. „Ich kann einen Spieler nicht zwingen, wenn er nicht bei 100 Prozent ist“, sagte Gattuso – und schickte den 26-Jährigen vor dem Play-off gegen Nordirland (Donnerstag) zurück nach Merseyside. Die Botschaft: Wer zweifelt, soll daheim sitzen.
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Seit Jahresbeginn kam Chiesa auf 137 Minuten in der Premier League – verteilt auf neun Kurzeinsätze. Jürgen Slot ließ ihn zuletzt bei 1:2 gegen Brighton in der 76. Minute ran, obwohl Isak, Salah und Ekitike ausfielen. Die Fans singen weiterhin „Fede, Fede“, doch die Staffel „Chiesa rettet Italien“ scheint abgesetzt.

Von berlin bis anfield – der freie fall seit dem em-aus
Erinnerung: Chiesas letztes Länderspiel datiert auf den 29. Juni 2024, das 0:2 gegen die Schweiz im Achtelfinale. Damals hieß der Coach noch Spalletti, der ihn als „unseren Sinner“ bezeichnete. Danach Dauerbänkler bei Juve, Transfer nach England, Bank 2.0. Seine 13 Nationalteam-Tore wirken wie aus einer anderen Epoche.
Intern heißt es, Chiesa habe selbst um die Freigabe gebeten, weil er „mentale Blockaden“ spüre. Kein Wunder: Die italische Presse kreuzigt ihn seit Wochen als „Luxus-Reservist“, Twitter-Kanäle zählen seine Ballberührungen mit Stopuhr. Wer sich in diesen Spiralen bewegt, braucht keine Physio-Bandage, sondern einen Seelenklempner.

Italiens wm-ticket steht, chiesas zukunft ebenfalls
Die Squadra kann am Donnerstag mit einem Sieg gegen Nordirland den ersten Schritt Richtung WM 2026 machen. Ohne ihren einstigen Hoffnungsträger, dafür mit Matteo Cambiaghi, der nachnominiert wurde. Chiesa wird vor dem Fernseher sitzen – und wahrscheinlich mit jedem Konter mitfiebern, den er selbst nicht mitgestalten darf.
Die italische Football-Föderation wartet ab, Gattuso will sich nicht weiter erklären. Für Chiesa bleibt ein halbes Jahr, um Slot zu überzeugen und die Azzurri zu überzeugen. Läuft es weiter so, droht ihm das Schicksal von Mario Balotelli: ein Jahrhunderttalent, das irgendwann nur noch in Erinnerungsspielen mitläuft. Chiesas Uhr tickt – und sie tickt laut.
