Changan deepal s05 awd max im test: 435 ps aus china, in italien gezeichnet

Ein chinesisches SUV, das in einem Designzentrum nahe Turin entworfen wurde, mit 435 PS, Allradantrieb und einem Preis ab 42.990 Euro – der Changan Deepal S05 AWD Max macht beim ersten Hinschauen vieles richtig. Beim zweiten Hinschauen fehlt allerdings ein Armaturenbrett. Kein Witz.

Was der deepal s05 wirklich kann – und was er bewusst weglässt

Changan ist kein völlig unbeschriebenes Blatt auf dem europäischen Markt. Der chinesische Hersteller hat bereits an der Entwicklung der Mazda 6e und der CX-6e mitgewirkt, bevor er nun mit zwei eigenen SUV-Modellen in Italien antritt: dem Deepal S05 mit 4,60 Metern Länge und dem größeren S07 mit 4,75 Metern. Beide wurden im Designzentrum in Rivoli, Provinz Turin, gezeichnet – ein Detail, das Changan in seiner Kommunikation bewusst nach vorne stellt.

Die getestete Variante, die AWD Max, kombiniert zwei Elektromotoren zu einer Systemleistung von 435 PS (320 kW) und 502 Nm Drehmoment. Von null auf hundert in 5,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 180 km/h. Der Akku ist ein LFP-Paket mit 68,8 kWh, homologiert für eine Reichweite von 445 Kilometern nach WLTP. Wer schnell laden will: Von 30 auf 80 Prozent sollen laut Hersteller 15 Minuten an einem DC-Lader mit bis zu 200 kW genügen.

Auf eis bewiesen: das fahrwerk hält, was es verspricht

Auf eis bewiesen: das fahrwerk hält, was es verspricht

Der Test fand auf einem vereisten Kurs statt – kein optimales Szenario, aber eines, das Fahrwerksabstimmung und Allradmanagement gnadenlos offenlegt. Ergebnis: Das Fahrzeug vermittelt ein stabiles, vertrauenswürdiges Gefühl. Die Federung ist sorgfältig kalibriert, weder zu weich noch zu straff. Wer mag, kann über verschiedene Fahrmodi die Gasannahme und die elektronischen Regelsysteme anpassen – bis hin zu einer nahezu vollständig deaktivierten Stabilitätskontrolle für sportlichere Fahrweise.

Der Innenraum bietet 492 bis 1.250 Liter Kofferraumvolumen, dazu einen vorderen Frunk mit 125 Litern. Die Vordersitze lassen sich vielfältig einstellen, der flache Fahrzeugboden im Fond kommt allen Passagieren zugute. Kurz: Komfort auf einem Niveau, das man von einem Fahrzeug dieser Klasse erwartet – und manchmal nicht bekommt.

Der blinde fleck: kein digitales kombiinstrument, keine physischen tasten

Der blinde fleck: kein digitales kombiinstrument, keine physischen tasten

Hier wird es interessant. Der Deepal S05 verzichtet vollständig auf ein digitales Kombiinstrument hinter dem Lenkrad. Die Aufgabe übernimmt ein Head-up-Display, ergänzt durch einen 15,4 Zoll großen Infotainment-Bildschirm, der leicht zum Fahrer geneigt ist. Ob das ausreicht, bleibt Geschmackssache – aber es ist eine Designentscheidung, die auffällt.

Noch konsequenter: physische Tasten sucht man vergebens, mit Ausnahme einiger Lenkradtasten. In einer Zeit, in der selbst Hersteller wie Volkswagen und Hyundai nach dem Touchscreen-Exzess wieder zu Knöpfen zurückkehren, geht Changan den entgegengesetzten Weg. Das ist mutig. Oder beratungsresistent. Je nach Standpunkt.

Preise und varianten: das angebot ist klar strukturiert

Preise und varianten: das angebot ist klar strukturiert

Der Deepal S05 ist in zwei Versionen erhältlich. Die Einstiegsvariante RWD Pro mit Hinterradantrieb und einem einzelnen Motor mit 272 PS kostet ab 36.990 Euro und schafft bis zu 485 Kilometer Reichweite. Die getestete AWD Max mit Allradantrieb steht ab 42.990 Euro in der Preisliste.

Beide Modelle werden nach Deutschland und Europa kommen – ein Markt, auf dem chinesische Hersteller derzeit mit erheblichem Gegenwind durch EU-Zusatzzölle kämpfen. Trotzdem: Wer ein in Italien gezeichnetes, technisch gut aufgestelltes Elektro-SUV zu diesem Preis anbietet, hat zumindest die Aufmerksamkeit verdient. Ob der Markt antwortet, wird sich zeigen – die Argumente liegen auf dem Tisch.