Champions league-reform: handball-liga am rande der verzweiflung?
Die Handball-Welt steht Kopf. Ein Interview mit VfL Gummersbach-Boss Christoph Schindler hat eine hitzige Debatte über die zukünftige Champions League ausgelöst – und die Verantwortlichen der Bundesliga sind alles andere als begeistert. Die EHF plant eine Aufstockung des Teilnehmerfeldes, doch die Details lassen selbst erfahrene Manager sprachlos zurück.

Unverständnis über die ehf-entscheidung
Schindler hatte im jüngsten Sport BILD-Interview seine Unzufriedenheit deutlich gemacht: „Wir alle wissen mal wieder nicht, welcher Tabellenplatz bei uns wofür in Europa reicht. Das ist verrückt und zeigt das Problem im Handball auf.“ Seine Worte trafen einen Nerv, denn die Qualifikationskriterien für die Königsklasse ab der Saison 2026/27 sind alles andere als transparent. Die EHF reagierte inzwischen und konkretisierte die Teilnahmebedingungen – mit fragwürdigen Konsequenzen.
So erhalten fortan sowohl der Champions-League-Titelverteidiger als auch der Sieger der European League einen Startplatz, selbst wenn sie sich über ihre nationalen Ligen nicht qualifiziert haben. Marc-Henrik Schmedt, Geschäftsführer von SC Magdeburg, begrüßt zwar grundsätzlich die größere Teilnehmerzahl, kritisiert aber das Fehlen eines „kalkulierbaren und transparenteren Qualifikationsverfahrens wie bei der UEFA im Fußball.“
Dierk Schmäschke, Präsident von SG Flensburg-Handewitt und Vizepräsident des Forum Club Handball (FCH), drückt seine Unzufriedenheit noch deutlicher aus: „Diese Lösung ist unbefriedigend. Der Beschluss wurde von der EHF sehr kurzfristig ohne vorherige Abstimmung mit dem Forum Club Handball gefasst.“
Die TSV Hannover-Burgdorf sieht die Sache pragmatisch: „Viel wichtiger ist, dass vor dem ersten Spiel einer Saison klar definiert wird, wer sich am Ende für welchen Wettbewerb qualifiziert.“ Eike Korsen, Geschäftsführer des Teams, betont die Notwendigkeit einer frühzeitigen Einbindung der Klubs in die Gestaltung der Wettbewerbe.
Selbst Rekordmeister THW Kiel, der durch einen möglichen Sieg in der European League in die Champions League zurückkehren könnte, ist von der Situation zwiegespalten. Viktor Szilagyi, Kiels Boss, erklärt: „Die Konstellationen und Bedingungen sind jetzt bekannt. Dass diese vielleicht nicht jeden zufriedenstellen, kann ich nachvollziehen.“
Was jedoch wirklich frustriert, ist die fehlende Logik: Warum sollte nicht einfach die ersten drei Teams der Bundesliga automatisch für die Champions League qualifiziert sein? Dieser einfache Vorschlag, der von Bob Hanning, Geschäftsführer von Berliner Handball-Löwen, vehement unterstützt wird, scheint im aktuellen Chaos jedoch unerreichbar.
Die EHF hingegen verweist auf ihre „Premiumprodukte“ und betont, dass sie „Europas beste Mannschaften“ sehen wolle. Doch die Realität sieht anders aus: Die Bundesliga, traditionell eine der stärksten Ligen Europas, riskiert, durch die komplizierten Qualifikationsregeln benachteiligt zu werden. Ein Szenario, in dem sich beispielsweise MT Melsungen oder TSV Hannover-Burgdorf über die European League für die Königsklasse qualifizieren, unterstreicht die Absurdität der Lage.
Die Handball-Szene bangt. Denn eines ist klar: Die aktuelle Situation ist nicht nachhaltig und bedroht die Attraktivität der Champions League und die Glaubwürdigkeit der EHF.
