Cassidy knallt citroën an die spitze: pole-position in madrid bringt erste tränen des jahres

Um 02:20 Uhr Ortszeit flog Nick Cassidy mit 174 km/h durch die Schikane vor der Tribüne Oeste – und schob Citroën erstmals in dieser Saison an die Spitze des Feldes. Der Neuseeländer sicherte sich die Pole-Position für das erste Formel-E-Rennen überhaupt auf dem Circuito del Jarama. Die Uhr stand auf 14:06, als das Funkgerät knisterte: „P1, Kiwi, P1!“

Citroën braucht diesen schub dringender als jedes andere werksteam

Seit der Saisoneröffnung in Mexiko-Stadt warteten die Franzosen auf einen Drehschlag, der mehr ist als ein bloßer Hoffnungsschimmer. Die Aerodynamik-Updates, die Ingenieure spätnachts in Levallois-Perret verklebt haben, zeigten endlich Wirkung. Cassidy war in Sektor 2 zwei Zehntel schneller als der Rest – eine Ewigkeit auf der 3,4-Kilometer-Strecke, die ehemalige Grand-Prix-Rennen austrug.

Die Reifen blieben in der kühlen Madrider Nacht im Fenster, die Batterie lief bei 47 Grad – perfekte Temperatur, um Energie rauszupressen, ohne sie zu grillen. „Wir haben die Kurve 7 neu asphaltiert, das gibt Grip“, sagte Cassidy später mit zitternder Stimme. „Aber das Auto hat sich nicht einmal quer gelegt, das war reines Glück.“

Der jarama-debütant fordert alles aus den fahrern heraus

Der jarama-debütant fordert alles aus den fahrern heraus

Die alte Königsklasse-Piste ist schmaler als jede andere Strecke im Kalender. Kein Millimeter Spielraum, dafür 17 Kurven, die sich wie ein Kreisel anfühlen. Wer hier zu spät bremst, landet im Kies – oder schlimmer: in der Betonmauer, die 1991 Ayrton Senna in den Wall riss. Für Samstag sind 29 Grad angesagt, Asphalt 48. Die Batterien werden kochen, die Reifen schmelzen. Cassidy warnt: „Die Pole ist nur die halbe Miete. Hier zählt, wer nach 45 Runden noch Saft übrig hat.“

Hinter ihm lauert der Champion. Pascal Wehrlein startet von Platz zwei, nur 0,081 Sekunden Rückstand. Der Deutsche hat in dieser Saison schon drei Mal gewonnen – und weiß, wie man in der letzten Runde einen Angriff startet, wenn die Gegner schon zählen. „Ich brauche kein Wunder, ich brauche nur die Innenbahn“, knurrte er durch den Helm.

Für Citroën ist die Rechnung dennoch einfach: Erster Sieg seit Rom 2025 würde die Meisterschaft wieder offen halten. Erste Niederlage würde bedeuten: Saison vorbei, vorzeitig. 45 Runden, zwei Stunden Schlaf, ein einziger Schuss. Madrid wartet – und die Uhr tickt.